Wernigerode l In Wernigerode wird ab Donnerstag, 17.Juli, nichts mehr so sein, wie es war. Kurz vor dem Beginn des Sachsen-Anhalt-Tages wird die Innenstadt ab 9 Uhr für den Autoverkehr gesperrt. Ins Zentrum kommt dann mit dem Fahrzeug nur noch, wer eine Ausnahmegenehmigung vorweisen kann.

Anwohner und Anlieger können das Papier bei der Stadtverwaltung beantragen. "Bisher haben wir 250 Vignetten für die Zufahrtsberechtigung ausgegeben", berichtet Karolin Pisalski. Die 25-jährige Verwaltungsstudentin absolviert ein Praxissemester und berät Bürger, die bei der Stadtverwaltung ihre Fragen zu den Verkehrsregelungen zum Landesfest loswerden wollen.

Arbeitnehmer bekommen Sondergenehmigungen

Viele haben sich bereits an sie gewandt - darunter Pflegedienste, die in der Innenstadt tätig sind, zahlreiche Arztpraxen, Physiotherapeuten und Mitarbeiter des Altenheims in der Albert-Bartels-Straße. Sie können per Sondergenehmigung zu ihrem Arbeitsplatz gelangen, sagt Sozialdezernent und Cheforganisator Andreas Heinrich. "Wenn Parkplätze auf dem eigenen Grundstück vorhanden sind, ermöglichen wir, dass dort geparkt wird."

Alle anderen dürfen ihre Autos auf Ausweichparkplätzen abstellen. Die Parkflächen befinden sich an der Feldstraße, am Ochsenteich, an der Lindenallee und am Anger. "Wir halten dort insgesamt 1000 Parklücken vor", sagt Karolin Pisalski. Davon würden rund 300 für Mitarbeiter und Helfer des Landesfestes benötigt. "Wir haben außerdem Reserveparkplätze", sagt Andreas Heinrich.

Die Parkgenehmigungen werden auch benötigt, weil durch die Sperrungen im Festgebiet viele Parkplätze in der Innenstadt wegfallen. Das gilt für die sogenannte rote Zone, in der sich das Festtreiben abspielen wird. Hier darf zwischen 9 Uhr früh und 2 Uhr nachts kein Auto fahren, halten oder parken.

Auch in der blauen Zone dürfen keine Fahrzeuge abgestellt werden - auch nicht kurzzeitig "Denn diese Zone umfasst die Rettungsgasse, durch die die Rettungskräfte im Ernstfall zu allen Punkten in der Stadt vordringen können", erklärt Andreas Heinrich. Zur blauen Zone gehören die Albert-Bartels-Straße, die Große Bergstraße, Am Vorwerk, die Büchtingenstraße und die Unterengengasse.

Das Karree um die Büchtingenstraße, Unterengengasse und einen Teil der Oberengengasse ist ein Sonderfall. Theoretisch dürften Autofahrer mit Vignette das Gebiet befahren. Doch weil die Zone von allen Seiten vom Festgelände umschlossen wird, ist kein Durchkommen. "Dass Autos das Festgelände queren, geht auf keinen Fall", betont Andreas Heinrich. "Hier müssen sich die Anwohner überlegen, ob sie das Auto drei Tage lang stehen lassen oder ob sie außerhalb parken."

Bürger, die an den Festtagen etwas in der Innenstadt zu erledigen haben, müssen sich vorab gut überlegen, wie sie dorthin gelangen. Wer zu Fuß in die Stadt gehen kann, wird keine Probleme haben. "Wenn jemand aber seine Großmutter bis zur Haustür bringen muss, sollte er sich rechtzeitig bei uns melden", sagt Heinrich.

Ärzte und Therapeuten stellen auf Notbetrieb um

In den Arzt- und Physiotherapiepraxen in der Innenstadt stellt sich das Personal auf den Festbetrieb ein. "Viele halten einen Notbetrieb aufrecht", sagt Karolin Pisalski. So ist die Gemeinschaftspraxis von Katrin Kabelitz und Barbara Rosenberger in der Albert-Bartels-Straße während der Festtage geöffnet. "Wir informieren die Patienten, die bestellt sind, und fragen, ob sie ihre Termine wahrnehmen können", sagt Katrin Kabelitz. Die Allgemeinmedizinerin vermutet, dass sich die Anreise gerade für ältere Patienten schwierig gestalten wird, die den Citybus nutzen. Denn die Haltestelle Rendezvous wird während des Festes nicht bedient. Die Ersatzhaltestelle befindet sich in der Feldstraße. Bleiben als Alternative Taxis, die über Pauschalgenehmigungen verfügen. "Wenn es ganz dringend ist, machen wir Hausbesuche", sagt Katrin Kabelitz.

Die Physiotherapie Jahns in der Ringstraße bleibt am Freitag, 18. Juli, geschlossen. "Wir haben die Patienten informiert, dass es schwierig sein wird, uns zu erreichen", sagt Praxischef Steffen Jahns. Wer am Donnerstag oder Montag einen Termin möchte und zu Fuß in die Praxis kommen kann, werde behandelt.

Auch Hotels und Pensionen im Zentrum müssen Einschränkungen hinnehmen. "Gäste können aber mit ihrer Buchungsbestätigung in das Festgelände fahren", erklärt Karolin Pisalski. Allerdings sollten diese möglichst am Donnerstag vor 9 Uhr und Sonntag nach 18 Uhr an- beziehungsweise abreisen. "Viele Gäste möchten den Sachsen-Anhalt-Tag erleben. Da brauchen sie das Auto nicht", sagt Karolin Pisalski.

Für Sachsen-Anhalt-Tag den Umzug verschoben

Daher seien die meisten Hoteliers entspannt. So wie Eike Herlemann, der in der Pfarrstraße das Hotel Johannishof betreibt. Er informiert per E-Mail über die Verkehrseinschränkungen. "Wenn der Gast das vorher weiß, ist es kein Problem."

Für besondere Fälle versuchten die Planer, individuelle Lösungen zu finden, sagt Andreas Heinrich. "Jeder, der betroffen ist, kann sich mit seinen Fragen an uns wenden."

Bisher hätten aber die meisten Verständnis gezeigt, sagt Karolin Pisalski. "Ein Anwohner hat sogar seinen für das Festwochenende geplanten Umzug verschoben."

Anträge für Sondergenehmigungen: dienstags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr im Neuen Rathaus, Schlachthofstraße 6, Telefon (03943) 654430.