Wer hat an der Uhr gedreht – Paulchen Panther lässt grüßen: Ich bin spät dran, muss zum Sport-Presse-Ball. Gefühlt zum 100. Mal. Die Locken kringeln sich verkehrtherum, die Strumpfhose hat die erste Laufmasche. Und das Kleid, das beim Kauf im Juli "wie angegossen" von der netten Verkäuferin gepriesen wurde, ist im Schrank – wie auch immer – eingelaufen. Egal. Ich muss los, die Mitternachtszeitung macht sich ja nicht von alleine.
Erst die Arbeit, dann dass Vergnügen?! Von wegen. Durchs Hotel flitzen, Stimmen einfangen, Fotografin begleiten, 500 Meter Fußmarsch in die Redaktion, in die Tasten kloppen, Bilder einladen, Daumen drücken, dass alles glatt geht bei Druck und Vertrieb ... Das muss man nicht jeden Tag haben.
Aber alle Jahre einmal. Doch diesmal hat sich alles gegen mich verschworen. Meine Eintrittskarte hat sich verdünnisiert, zum Glück (er)kennt mich einer meiner Chefs. Ich stolpere über irgendeine eine Schleppe, bekomme mein erstes Glas Sekt – aufs Kleid. Danke! Immer schön freundlich lächeln, bin ja im Dienst.
Der Kugelschreiber streikt, und die Sportler fürs geplante Gruppenfoto zusammenzutrommeln – eine unendliche Geschichte. Einer fehlt immer. Im Vorübergehen entdecke ich den Moderator und wundere mich über das bayerische Qutfit. Nur kurz, ich muss doch los. Die Garderobe hinter der Bühne ist zu. Verflixt und zugeschlossen. Der Andrucktermin sitzt mir im Nacken. Die vier Treppen hinauf zur Redaktion – ein Eierlauf auf Stöckelschuhen. Ich bleibe im Saum hängen, falle, schramme mir das Schienbein blutig. Sch ...! Was solls, sieht ja keiner.
Viel schlimmer ist, eine Seite öffnet sich nicht, die Bilder bleiben irgendwo im Nirwana des Systems hängen. Auf dem allerletzten Drücker geht die letzte Seite in Druck.
Auf dem Rückweg zum Ball macht sich der angeknackste Hacken selbständig. Warum immer ich? Mein Magen knurrt, das Büffet ist abgeräumt. Pech gehabt.
Weil der Moderator in gottschalkschen Dimensionen plaudernd überzieht, bekomme ich wenigstens noch etwas von der Sportlerehrung ab. Und darf beim Suchen nach dem Riesen-Würfel helfen, der zur Auslosung der gewinnverheißenden Farbe gebraucht wird. Am Ende gewinnt der den Hauptpreis (Auto), der ihn gestiftet hat. Dumm gelaufen.

Ich freue mich aufs Eisbüffet. Schmeckt komisch diesmal, irgendwie versalzen. Zu allem Unglück sind auch noch die Toiletten verstopft. Ja, und wo bleibt eigentlich die Mitternachtszeitung? Das kann doch alles nicht wahr sein! Stimmt. Wenn alles tatsächlich an einem Ballabend passiert wäre. Und doch hat es sich genauso zugetragen – allerdings in 20 Jahren Sport-Presse-Ball.
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