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Gibt es den perfekten Mord? Diese Frage stellt man sich mit Blick auf 39 ungeklärte Tötungsdelikte in Sachsen-Anhalt. Volksstimme-Chefreporter Bernd Kaufholz sprach darüber mit Kriminaloberrat Bernd Ritzmann. Der Diplomkriminalist ist Chef der Fachgruppe Kriminalwissenschaften an der Fachhochschule der Polizei in Aschersleben.
Volksstimme: Warum werden Tötungsdelikte oft sehr spät und manchmal gar nicht aufgeklärt? Sind die Täter in diesen Fällen so clever oder liegt es an der Polizei?
Bernd Ritzmann: Die Ermittlungen sind, sofern es sich nicht um eine Beziehungstat innerhalb der Familie oder des Bekanntenkreises handelt, oft sehr komplex und langwierig. Bei oberflächlicher Betrachtung entsteht somit der Eindruck, dass die Tat nie mehr aufgeklärt wird.
Volksstimme: Was behindert die Aufklärung?
Ritzmann: Bei der ärztlichen Leichenschau kann es passieren, dass Mord nicht als solcher erkannt und ein natürlicher Tod bescheinigt wird.
Wenn das Messer noch in der Brust des Opfers steckt, ist der Fall zumeist eindeutig. Komplizierter wird es, wenn der Leichnam bekleidet auf dem Bett aufgebahrt liegt und Spuren von Gewalteinwirkungen augenscheinlich nicht erkennbar sind.
Volksstimme: Hat der Gesetzgeber hier nicht einen Sperrmechanismus installiert?
Ritzmann: Mit dem Gesetz über das Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen hat Sachsen-Anhalt Vorsorge getroffen. Danach hat der Arzt die Leichenschau an der entkleideten Leiche durchzuführen.
Außerdem hat der Gesetzgeber die Pflicht der zweiten Leichenschau vor einer Feuerbestattung festgelegt. Sachsen-Anhalt hat damit Grundlagen geschaffen, dass auch vor der Feuerbestattung ein nicht natürlicher Tod aufgedeckt werden kann.
Nach der Erdbestattung kann die Leiche exhumiert werden, wenn es später Anhaltspunkte für ein Tötungsdelikt gibt.
Volksstimme: Gibt es Zahlen, wie viele unnatürliche Todesfälle "durchrutschen"?
Ritzmann: Ich möchte nicht spekulieren, aber es geistern in der Presse Zahlen umher, die auf der Basis von Forschungsprojekten verschiedener Universitäten entstanden sind. Sie verweisen pro Jahr auf mehr als 1000 nicht entdeckter Tötungsdelikte in Deutschland. Die Zahlen beruhen auf Erkenntnissen aus der zweiten Leichenschau im Krematorium. Sie sind ein Signal, dass Verantwortliche für die erste Leichenschau noch intensiver qualifiziert werden sollten und heben die Bedeutung der zweiten Leichenschau als unverzichtbares Instrument hervor.
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