Magdeburg l Die Schockdiagnose schlug ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel: "Wie jedes Jahr stand der Termin bei Frauenarzt an. Ich hatte keine Probleme, es gab keine Vorzeichen", erinnert sich die Magdeburgerin Kornelia Wichmann an jenen Tag. Der Arzt hatte eine schlimme Nachricht für sie: Brustkrebs. Es begannen quälende Monate mit Operation, Chemotherapie, Bestrahlung - und der ständigen Ungewissheit, wie es weitergehen wird.

Allein für dieses Jahr geht das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) von rund 500 900 neuen Krebserkrankungen in Deutschland aus. Mit der Krebsdiagnose verbindet sich große Angst: vor Schmerzen, Verlust der Arbeit - und davor, dass der Tumor nicht zu stoppen ist.

Mehr als die Hälfte der Betroffenen kann laut DKFZ inzwischen auf eine dauerhafte Heilung hoffen. Dennoch überfiel auch Kornelia Wichmann, die im Alter von 42 Jahren die Krebsdiagnose erhielt, erst einmal das Gefühl der Hilflosigkeit: "Nach der Akutbehandlung wollte ich deshalb ganz einfach mehr über die Krankheit erfahren. Sollte das schon das Ende für mich sein?", fragte sie sich damals.

Zwölf Jahre sind seitdem vergangen. Damals wie heute half und hilft ihr der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe der Magdeburger Krebsliga: "Viele Fragen wurden mir dort beantwortet. Aber auch das Verständnis der betroffenen Frauen war für mich und ist bis heute eine große Stütze. Die Frauen erzählten, wie sie mit Krebs umgehen, von ihren Ängsten. Die habe auch ich bis heute."Außenstehende könnten das oft nicht verstehen. Selbst engste Verwandte fühlten sich wegen der schwankenden körperlichen und psychischen Verfassung Krebskranker zuweilen vor den Kopf gestoßen. Kornelia Wichmann: "In der Selbsthilfegruppe kann ich mich fallen lassen, denn die anderen kennen diese Sorgen."

Auf die seelischen und körperlichen Belastungen, die mit der Krebsdiagnose einhergehen, seien die meisten Menschen schlicht nicht vorbereitet, erklärt Dr. Bernd Anger, Chefarzt der Onkologie in der Reha-Klinik Bad Salzelmen. So würden nach seiner Beobachtung Partnerschaften nach dem Schock der Krebsdiagnose oft entweder noch enger werden oder aber "auseinanderfliegen", wie er es beschreibt: "Es gibt Krebspatienten, denen läuft der Partner weg, sie verlieren ihren Beruf, finanziell geht es in den Keller. Sie müssen eine massive Last tragen."

Die Krebsliga möchte Betroffene und Angehörige etwas entlasten. Liga-Mitbegründerin Erna Schlender beschreibt das Prinzip des 1990 gegründeten Vereins so: "Wir fangen auf, beschützen, geben Kraft und vermitteln Hilfe zur Selbsthilfe. Hier kann jeder auch seine Trauer und Wut herauslassen."

Neben den rein ehrenamtlich organisierten Selbsthilfegruppen für Betroffene verschiedenster Krebserkrankungen verfügt die Liga über eine Kontakt- und Beratungsstelle in der Landeshauptstadt. Diese sei oft erster Anlaufpunkt für Hilfesuchende nach Operation und Reha, so Andrea Perner, eine von zwei hauptamtlichen Sozialberaterinnen: "Die Betroffenen fragen: An wen kann ich mich in der ambulanten Nachsorge wenden? Welche Anträge muss ich stellen? Was steht mir zu? Wir übernehmen hier die Lotsenfunktion, vermitteln bei Bedarf an psychologischer Unterstützung an Experten."

Die Krebsliga arbeitet von Beginn an eng mit der Magdeburger Universitätsfrauenklinik unter Leitung von Prof. Serban-Dan Costa zusammen. Unter dem Klinikdach ist der Verein auch zu Hause. Seine Arbeit muss er zum großen Teil aus Spenden finanzieren. Zuschüsse kommen von Krankenkassen und dem Gesundheitsamt. Dabei stehen alle Angebote Hilfesuchenden auch ohne Mitgliedschaft in der Krebsliga kostenfrei offen.

Kornelia Wichmann weiß aus eigener Erfahrung: "Nach einer überstandenen Operation, Chemo und Bestrahlung ist man nicht wieder die alte Person. Auch für viele Familienangehörige ist es schwierig, sich damit abzufinden. Ich bin deshalb weiter in der Krebsliga aktiv, um Menschen mit der Diagnose Krebs zu helfen und ihnen Mut zu geben."