Wohin mit den Fragen und Ängsten?

Nach der Diagnose "Demenz" bricht für viele Angehörige eine Welt zusammen. Die Alzheimergesellschaft Sachsen-Anhalt steht betroffenen Familien zur Seite, beantwortet Fragen und berät bei Problemen (nach Anmeldung).

In Magdeburg gibt es seit 17 Jahren die Alzheimergesellschaft. Ansprechpartnerin ist Leiterin Birgitt Opitz. Zu den Angeboten des Vereins gehören Beratung und Tagesbetreuung der Betroffenen. Jährlich wird ein betreuter Urlaub organisiert. Bei Angehörigen-Treffen können sich Familien austauschen.

Kontakt: Alzheimergesellschaft Sachsen-Anhalt e.V., Am Denkmal 5, 39110 Magdeburg, Telefon: 0391/ 2589060,

Internet: www.alzheimergesellschaft-md.de

Magdeburg l Im Flur des alten Pfarrgebäudes Am Denkmal 5 herrscht reges Treiben. Betreuer helfen Frauen und Männern in ihre Jacken. Die Vorfreude ist spürbar. Es wird erst still im Haus, als sich die Gruppe auf den Weg in die gegenüberliegende Kirche macht – hier führen die Kindergartenkinder ein Theaterstück auf. Für die Tagesgäste der Alzheimergesellschaft Sachsen-Anhalt ist dieser Vormittag etwas Besonderes. "In Gegenwart der Kinder blühen die Betroffenen richtig auf", sagt Birgitt Opitz, Leiterin des Vereins. Das Theaterstück ist nur eine von vielen Aktivitäten, welche die Einrichtung täglich bietet.

Morgens werden die meisten der 15 bis 20 Tagesgäste mit dem hauseigenen Bus von zu Hause abgeholt und in die Einrichtung gebracht. Nach einem gemeinsamen Frühstück geht es mit Aktivitäten los: Basteln, Gymnastik, Handarbeit, Spiele, Musik hören und Singen. "Für die Dementen ist ein strukturierter Tagesablauf wichtig", erklärt Birgitt Opitz. "Ihre Alltagskompetenzen sollen ebenso erhalten bleiben wie das Gefühl für den normalen Alltag." Oft ist die Leiterin erstaunt, wie gut die Arbeit gelingt. Einige der Frauen können häkeln, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, als ob die Erinnerungen nie weg waren.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen geht die Gruppe gerne spazieren, wenn das Wetter es zulässt. Bewegung ist wichtig. Im Sommer lädt der tausend Quadratmeter große Garten zum Beisammensitzen ein. "Bei der Winterzauber-Gala spendete ein Verein uns 500 Euro. Davon haben wir Gartenmöbel und Schirme gekauft", sagt die Leiterin. So kann die Gruppe sonnige Tage stundenlang im Freien verbringen.

Seit 2003 ist die Tagesbetreuung ein erfolgreiches Konzept der Alzheimergesellschaft. Wenn die Leiterin und ihre Mitarbeiter hören, dass die Betroffenen gerne wiederkommen möchten oder dass es in dem alten Pfarrhaus schön ist, so ist dies das schönstes Lob.

Eine Diplom-Heilpädagogin, eine Altenpflegerin, acht Sozialbetreuer und acht bis zehn Ehrenamtliche sind montags bis freitags für die Demenzkranken da. Nicht jeder Betroffene kommt täglich. Dabei richten sich Birgitt Opitz und ihr Team nach den Angehörigen. Auch sonst stehen sie ihnen mit Rat und Tat zur Seite – von Beginn der Krankheit an.

"Wir entlasten die Angehörigen. Es ist wichtig, dass sie sich nicht aufgeben, denn für die Pflege brauchen sie Kraft." - Birgitt Opitz, Leiterin

Für viele Angehörige ist die Diagnose anfangs ein großer Schock, ein böser Traum. Doch erst, wer sich mit der Krankheit befasst und sie annimmt, kann damit umgehen. Viele Demente können noch zu Hause wohnen, brauchen aber 24 Stunden lang Betreuung und Pflege. "Wir entlasten die Angehörigen, damit sie sich nicht selber aufgeben. Auch sie brauchen Zeit, mal zum Arzt zu gehen, zum Frisör oder um mit Freunden einen Kaffee zu trinken", sagt Birgitt Opitz.

Kraft zu schöpfen ist für die Angehörigen wichtig, denn die Persönlichkeitsveränderung der Dementen ist auch eine psychische Belastung. Oft versuchen Angehörige die Betroffenen als den Menschen zu sehen, der er einmal war. Doch Hobbys, Leidenschaften und Fähigkeiten verschwinden. "Es ist nicht so, dass Demente ihren Schlüssel vergessen. Sie wissen nicht, was sie mit einem Schlüssel machen sollen", erklärt Birgitt Opitz. Auch das Aussprechen von Gefühlen fällt schwer, weswegen die Mitarbeiter der Alzheimergesellschaft Fingerspitzengefühl dafür haben müssen, was die Tagesgäste wollen, ohne dass sie es aussprechen.

Der enge Kontakt zu den Angehörigen ist dem Team wichtig. Es stehen nicht nur monatliche Angehörigen-Treffen an, bei denen sich Familien und Partner austauschen können, sondern auch betreute Urlaube. Seit dem Jahr 2000 organisiert der Verein jährlich eine Woche im Integrationsdorf in Arendsee. "Vor Ort gibt es eine fachkompetente Betreuung. Es werden gemeinsame Ausflüge organisiert sowie geselliges Beisammensein, um die Schwere des Alltags zu vergessen und gestärkt zu seinen täglichen Herausforderungen zurückzukehren", so die Leiterin des Vereins. Das vielfältige Angebot des Vereins wird vorwiegend durch Spenden finanziert. Unterstützung gibt es aber auch von der Stadt und vom Land.

Kaum hat sie ihren letzten Satz beendet, kommt wieder Leben ins Haus. Die Tagesgäste kehren von dem Theaterstück zurück. Mit glücklichen Gesichtern gehen sie in Richtung Wohnzimmer, wo eine Betreuerin schon mit einer wärmenden Tasse Tee auf sie wartet.