Newsticker

Braut, Königin, Geliebte, durch Jahrhunderte verehrt wie eine Heilige. Editha (910-946), Frau von König Otto dem Großen, ist untrennbar mit der Geschichte von Magdeburg und Sachsen-Anhalt verbunden. Die Volksstimme geht in einer großen Serie auf Spurensuche.
Teil 7: Editha – die Königin der Herzen.
Magdeburg im März 2009: Stadtführung Editha. Es regnet. Angestrengt versucht eine Menschengruppe am Breiten Weg einen Blick auf Editha zu erwischen. Die Stadtpatronin ist an der Fassade des ehemaligen Postgebäudes aus dem Jahr 1900 verankert und blickt, an ihrer Seite ihr Gemahl Otto, von dort Richtung Dom und Hundertwasserhaus. Heute ist dort der Sitz des Justizzentrums. Als Symbolfiguren sind Editha und Otto dort allemal am rechten Fleck. Was hat die Königin Editha eigentlich den ganzen Tag über getan? Wie sah ihr Tag aus? Professor Caspar Ehlers, im Editha-Team des Landesarchäologen Harald Meller für die Historie zuständig, lacht laut auf: "Ja, wenn wir das so genau wüssten." Das sei zum Großteil nicht einmal bei ihrem prominenteren Ehemann Otto klar. Ein Blick in die Legenden: Seit Otto und Editha Magdeburg zum wichtigsten Regierungssitz im Reich erklärt haben, ist die Innenstadt eine einzige Baustelle. Als die Königin sich über den neuesten Stand der geplanten Konstruktionen informieren will, kommt sie auf Höhe des heutigen Alleecenters Richtung Kloster Unser Lieben Frauen an einem Garten vorbei. Dort ist ein kleines blondes Mädchen eifrig damit beschäftigt, die ersten Maiglöckchen der Saison zu pflücken.
"Bewahr diesen Ring gut auf, er soll dir Glück bringen"
Obwohl in Amtsgeschäften unterwegs, nimmt sich die Königin einen Augenblick Zeit und ruft dem Kind einen Gruß zu. Das Mädchen rennt mit seinem duftenden Strauß zu Editha und drückt ihn der hohen Frau mit einem Knicks in die Hand. Die Königin will die Gabe nicht unerwidert lassen, überlegt einen Moment und schenkt dem blonden Kind einen ihrer Ringe: "Bewahr diesen Ring gut auf, er soll dir Glück bringen. Und wenn du einmal in Not geraten solltest, so darfst du mit dem Ring zu mir kommen." Einige Jahre später, aus dem Mädchen ist eine attraktive junge Frau geworden, gerät die Familie unverschuldet in Not: Der Vater, ein Weber, wird krank. Das Einkommen fehlt, ein soziales Netz gibt es nicht, die Gläubiger wollen die Familie vor die Tür setzen. Als letztes Mittel nimmt die junge Frau den Ring und geht zum Königspalast. Dort öffnet der Ring der Editha ihr sofort alle Türen. Die Königin erinnert sich an das Kind mit dem Maiglöckchenstrauß. Sie freut sich über das Wiedersehen, bezahlt die Schulden, beschenkt die Familie reich. Nach überstandener Krankheit baut der Vater in der Großen Junkerstraße 13 in Magdeburg ein neues Haus und lässt dort eine Tafel anbringen: Maiblume.
| Der Volksstimme.de-Newsletter: Das Wichtigste vom Tage kostenlos per E-Mail. Bitte tragen Sie hier Ihre E-Mail-Adresse ein und klicken anschließend auf "Absenden" (Mit dem Eintragen und Abschicken Ihrer E-Mail-Adresse haben Sie unsere Datenschutzbestimmungen akzeptiert.): | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |