Magdeburg (dpa /ddp). Nach dem Fund der mutmaßlichen Gebeine von Königin Editha (910-946) im Magdeburger Dom wollen Archäologen heute (02.03.2009) über eine weitere Entdeckung berichten. Am Mittwoch sei im Dom ein Grabmal entdeckt worden, sagte Landesarchäologe Harald Meller am Wochenende. Die Domgemeinde und die Stadt seien informiert. Meller wollte einen Bericht der Volksstimme vom Sonnabend nicht bestätigen, wonach es sich bei dem Fund um den originalen Steinsarg von Königin Editha handeln könnte.

Der Magdeburger Domprediger Giselher Quast hatte der Volksstimme gesagt, es könne der Sarg sein, in dem Editha ursprünglich beigesetzt worden ist. Sie war die erste Gemahlin von König Otto dem Großen (912-973), ihre Überreste waren mehrfach umgebettet worden. Quast zufolge wurde der Steinsarg bislang nicht geöffnet.

Aus Sicht von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sorgen die jüngsten archäologischen Funde bei den Sachsen-Anhaltern für ein gesteigertes historisches Bewusstsein. Die Anteilnahme der Bürger etwa am Fund der mutmaßlichen Gebeine der Königin Editha sei ein Zeichen, dass sie sich mit ihrer Heimat verbunden fühlten, sagte Böhmer in seiner neuen Videobotschaft. "Der Streit darüber, wo die einzelnen Funde hingehören, hat das historische und kulturelle Bewusstsein in unserem Land geschärft."

Bereits im Herbst war ein Bleisarg mit den Gebeinen Edithas bei Grabungen im Dom entdeckt worden. In ihm liegen – in Leinentücher gewickelt – lange Knochen und ein Stück Kiefer. Der Sarg befand sich in einem steinernen Scheingrab aus dem Jahr 1510. Inschriften auf dem Deckel des Scheingrabs und auf dem nur 70 Zentimeter langen und 25 Zentimeter breiten Bleisarg deuten auf Editha hin.

Dass die mutmaßlichen Gebeine Edithas nach Halle in das Landesamt für Denkmalpf ege und Archäologie gebracht worden waren, hatte für großen Unmut bei Kommunalpolitikern und anderen Persönlichkeiten in Magdeburg gesorgt. Genaue Untersuchungen sollen Aufschluss darüber geben, ob es sich tatsächlich um Überreste der jung gestorbenen Frau handelt.

Domprediger Quast kritisierte indes das Vorgehen des Landesamtes für Archäologie. Im Umgang mit dem vermutlichen Grab von Königin Editha sei das moralische Gebot der Totenruhe missachtet worden, sagte er dem MDR-Magazin "Sachsen-Anhalt heute". Einer toten Königin gucke man nicht unter den Rock, betonte er. Wenn man sie schon fnde, dann müsse sie auch mit Würde behandelt werden.

"Alle Funde in unserem Boden, deren Besitzer nicht konkret auszumachen sind, gehören dem Land Sachsen-Anhalt", sagte Böhmer. " Eine andere Frage ist, wo sie dauerhaft präsentiert werden. Das sollte aus meiner Sicht natürlich der Ort sein, der den größten historischen Bezug zum Fund hat. "Auf jeden Fall sollten die Funde wissenschaftlich ausgewertet werden". Diskussionswürdig sei die touristische Vermarktung. "Da Bergung und Konservierung viel Geld kosten, sollten wir sie zulassen, wenn dies respektvoll und mit Würde geschieht", betonte der Regierungschef.