Auf und davon in einer geheimnisvollen Aktion. Fort von ihrem Ruheort im Dom zu Magdeburg nach Halle. Im Dienste der Wissenschaft heißt es nun. Doch warum dieses undurchsichtige Spiel mit den Informationen zu diesem Fund? Was soll ein an der Geschichte und Kultur seiner Heimat Deutschland interessierter Bürger von einer derartigen Verfahrensweise halten?

Helga Rokosch, 39108 Magdeburg


2008 besuchten wir in einer kleinen Gruppe unserer Kirchgemeinde u.a. die Arche in Nebra und den Fundort der berühmten Himmelsscheibe.

Wirklich beeindruckend, was mit der Arche und der darin befindlichen Ausstellung auf die Beine gestellt wurde. Ich hatte mich im Vorfeld mit diesem Fund noch nie richtig beschäftigt. Als wir dann mit dem wirklich gelungenen Rundgang fertig waren, fragte ich mich nur: Ja, wo ist sie denn nun, die Himmelsscheibe? Natürlich ist sie in Halle, nicht in Nebra.
Wir sollten wachsam sein. Wir sollten uns nicht mit einer Kopie oder Nachbildung des Edithagrabes zufrieden geben. Scheinbar leidet Halle an seiner historischer Bedeutungslosigkeit. Seien wir daher wachsam, dass das Trio Meller, Reichenberger, Olbertz zu seinem Wort steht, den Sarg mit komplettem Inhalt an Magdeburg zurückzugeben.

Ralf Kirchner, 39124 Magdeburg


Die bekanntgewordenen Umstände sprechen wohl viel eher für eine längerfristig geplante Aktion. Einbeziehung nur hallescher Wissenschaftler, möglichst Geheimhaltung der Aktion und ihrer Ergebnisse – vor allem vor den Magdeburgern und ihren Gremien –,
Schweigeverpflichtung für absolut nicht Fernzuhaltende usw.

Geheimhaltung aus wissenschaftlichen Gründen? Ruhmsucht des Herrn Meller? Unterschätzung der politischen Brisanz einer solchen Nacht- und Nebelaktion? Fast alle – bis zum Kultusminister? – wussten bald etwas, nur Magdeburg wurde bewusst dummgehalten. Stellt sich die
Frage: Weshalb?

Wolf-Dieter Tierkopf, 39110 Magdeburg


Dieser Akt ist nur ein Glied in der Kette. So wurde beispielsweise die Musikfakultät der Magdeburger Universität nach Halle transferiert. Weiterhin hat man den Eindruck, dass der Kultusminister die Medizinische Fakultät der Universität ebenfalls degradieren möchte. So ist die Zerschlagung des Institutes für Rechtsmedizin als Außenposten von Halle ein Zeichen.

Da ich über viele Jahrzehnte unter einem Dach mit der Gerichtsmedizin gearbeitet hatte, weiß ich dies als Fehlentscheidung anzusehen. Das Rechtsmedizinische Institut in Halle ist z.B. ca. 30 Minuten von Leipzig entfernt. Durch die hallische Fraktion der Landesregierung wird auch klar, dass sie darauf aus ist, das Ansehen der Landeshauptstadt zu dezimieren.

Dr. G. Albrecht, 39114 Magdeburg


Warum über das heimliche "Verbringen" der sterblichen Hülle von Königin Editha nach Halle im Magdeburger Stadtrat nur Unverständnis und verständlicher Unmut zum Ausdruck gebracht werden, verbunden mit Appellen an die Vernunft – die nicht zu erwarten ist – kann ich nicht nachvollziehen. Wie viele historische Reliquien will sich die Stadt Magdeburg noch rauben lassen, und das ausgerechnet im Jahr des 800-jährigen Domjubiläums?

Dr. Konrad Pusch, 39118 Magdeburg


Durch Leserbriefe wird ein grundlegender Streit und tiefgreifendes Zerwürfnis zwischen allen Hallensern und Magdeburgern suggestiert, der eigentliche "Übeltäter" scheint bereits ausgemacht. Da wird der Kultusminister zur "Schlüsselfigur", der als oberster Vorgesetzter der Beamten des Landesamtes für Archäologie den Abstransport nach Halle nicht verhindert hat und nun im Nachhinein wird öffentlich eingefordert, dass der Kultusminister sich für die Rückkehr ein- bzw. dieses durchzusetzen hat.

Dabei wird allerdings übersehen, dass der Kultusminister mit seinem Amt nicht der Hilfsbeamte der Stadt Magdeburg ist, sondern eine eigene Verantwortung trägt, die nicht nur der kulturellen Verpflichtung gegenüber dem Dom oder der Stadt Magdeburg unterworfen ist, sondern vor allem dem Anspruch an Wissenschaftlichkeit und der damit verbundenen Feststellung, Sicherung und Konservierung des einmaligen Sensationsfundes gerecht zu werden hat.

Hierzu gibt es nun mal Fachleute, die aufgrund ihres Wissens und ihrer Erfahrung Entscheidungen in einem solchen Fall sachgerecht und angemessen treffen, wenn es darum geht, erstaunliche Funde fachlich korrekt zu erfassen, wissenschaftlich fundiert aufzubereiten bzw. die notwendigen und möglichen Erkenntnisse zu sichern und Schlussfolgerungen aus den Feststellungen zu ziehen.

Der Umgang mit dem Abtransport mag unsensibel gewesen sein. Das ändert aber nichts daran, dass von der Warte der Fachleute des Landesamtes für Archäologie sowie aus der Sicht des Kultusministers übergeordnete Gründe und Aspekte maßgeblich sein mussten und nicht der Lokalpatriotismus als Bezugsgröße eine Rolle spielen oder gar zu ihrem Maßstab gemacht werden durften, der in oberflächlicher, ja geradezu peinlicher Weise nun die derzeitige Diskussion beherrscht.

Vielleicht sollten wir den Blick lieber wieder schärfen für die wirklich wichtigen Dinge, nämlich den unglaublich ideel-len Wert des Fundes an sich und die damit verbundenen Erkenntnisse und uns nicht weiter von unseren Eitelkeiten verblenden lassen.

Ladore de Schygall, 14163 Berlin