Alles zum Streit um Editha unter www.volksstimme.de/editha

Es wird Zeit, Licht in das Dunkel zu bringen. Die Möglichkeiten dazu gehen von Untersuchungsausschuss bis Ermittlungsverfahren.
Die Rolle des Landesarchäologen ist dazu zu beleuchten. Ist er zu der heimlichen Aktion überhaupt berechtigt? Welche Rolle spielt dabei der aus Halle stammende Kultusminister? Hat er auch jetzt erst von der Entdeckung erfahren oder die Angelegenheit billigend in Kauf genommen?

Wieso kann ein Herr Maller die Magdeburger Domgemeinde zu Stillschweigen verpflichten? Wieso hat sich der Domprediger überhaupt an das Stillschweigen gehalten? Wurden die Domgemeinde und der Domprediger eventuell unter Druck gesetzt?

Mächte der Landesarchäologe ein kleiner Schliemann sein und die Kulturgüter dabei гumlagern"? Vielleicht kann auch der Kultusminister die vielen Widersprüche aufklären!

Siegfried Rebenschütz, Magdeburg


Tatsache und Art und Weise der Verbringung des Editha-Sarges samt Inhalt aus dem Magdeburger Dom nach Halle sind schrille Signale unerträglicher Arroganz der Macht, die sich nachweislich leicht in Köpfen ausbreitet, die von Erfolg und Ruhm berauscht sind und zudem oft mangelhaft kontrolliert werden.

Herrn Maller und seinen Helfern ist der Ruhm für die Verdienste um die Rettung der Himmelsscheibe von Nebra offenbar so zu Kopf gestiegen, dass sie glauben, alle Gesetze gesellschaftlichen Konsenses und moralischer Vernunft des Miteinanders ignorieren zu können, dazu vielleicht sogar juristische. Letzteres sollte genau geprüft werden. Dazu der Verdacht mangelnder Dienstaufsicht der Landesregierung.

Die Heimlichkeit der Täter" und dass sie einen ungebetenen Mitwisser (Domprediger Quast, der sich das gefallen ließ) zur Schweigsamkeit vergatterten, spricht dafür, dass sogar ein starkes Unrechtsbewusstsein die Aktion begleitete und keine spontane Ungeschicklichkeit, sondern stabsmäßig organisiertes Vorgehen stattgefunden hat. Das macht die Sache so gefährlich prinzipiell.

Richard Wilhelm, 39120 Magdeburg


In einer Stadt, die erst darüber informiert werden muss (Wie oft geschah das schon vergeblich!), dass sie eine große Geschichte hat, regen sich jetzt plötzlich Leute über den Umgang mit dem möglichen Editha-Sarg auf, die die große Geschichte dieser Stadt sonst kalt lässt. Denen sind Ladenöffnungszeiten und Weihnachtsmarkteröffnungen unbedingt vor dem Totensonntag viel, viel wichtiger als das, was Magdeburg wirklich ausmacht. Auch die Bewohner der Stadt verhalten sich sehr distanziert zur Geschichte. Warum soll Editha also für Magdeburg stehen?

Liebe Magdeburger, kommt herunter vom Baum der Empörung. Steht zu eurer Stadt und ihrer Geschichte.

Ekkehard Poßnien, Brühl (Nordrhein-Westfalen)


Den Initiatoren dieses Vorganges sollte die tiefgehende Verbindung der Magdeburger Bevölkerung zu der weiblichen Identifikationsfigur ihrer Stadt bekannt sein. Tatsache ist also, dass unnötige Emotionen geweckt wurden und Ängste über den weiteren Umgang mit diesem einzigartigen Geschichtszeugnis der Stadt Magdeburg bleiben - und dies gerade im 800. Jubiläumsjahr ihres berühmten gotischen Domes.
Das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege sollte aufgefordert werden, durch eine detaillierte öffentliche Berichterstattung über ihre Arbeits- und Handlungsweise dazu beizutragen, Emotionen abzubauen und unser gemeinsames Bemühen, die Vertiefung der Kenntnisse über unsere Stadtgeschichte auf wissenschaftlicher Grundlage und nicht auf Sensationsbestreben aufzubauen.

Heinz Karl Prottengeier, Architekten- und Ingenieur-Verein zu Magdeburg von 1876 e. V., 39104 Magdeburg


Natürlich war es eine Nacht- und Nebelaktion, diese Bezeichnung ist nicht von der Uhrzeit des Geschehens abhängig. Verständlich ist das alles nicht, erklärbar wohl aus der Darstellungssucht weniger Personen. Das ist in der Archäologie nicht einmalig, auch ein Schliemann war davon nicht frei. Die heimliche Fortführung des Fundes erinnert an die Diebstähle von heiligen Gebeinen im Mittelalter, z.B. des Heiligen Markus aus Alexandria nach Venedig oder des Heiligen Nikolaus aus Mira nach Bari.

Der Leiter des Landesamtes für Archäologie hat verdientermaßen einen großen Bekanntheitsgrad durch die Fundumstände bei der Himmelsscheibe.

Aber hier hat er seinem Ruf geschadet. Wie konnten die wichtigsten zuständigen Personen in Magdeburg, der OB und der Leiter des Kulturhistorischen Museums, das sich in unmittelbarer Nähe des Fundes befindet und in wenigen Jahren einen glänzenden internationalen Ruf gewonnen hat, wie konnten die übergangen werden?

Dr. M. Wernicke, 39112 Magdeburg


Vor einigen Jahren bemühten sich etliche Landesbedienstete, dem "Bundesland Sachsen-Anhalt" eine Identität zu verpassen, indem sie viel Steuergeld für ominöse Werbeslogans verbrannten ("Land der Frühaufsteher"). Die von den Bürgern bezahlten Staatsdiener haben selbst aber nicht einmal ansatzweise ein Gefühl für eine Landesidentität - sonst würde anstelle dieser Leichenfledderei mit den sterblichen Überresten einer historischen Persönlichkeit sachlich und würdiger mit Zeugnissen der Geschichte dieses Landstriches umgegangen.

Selbst die historischen Interessen der offensichtlich ungeliebten Landeshauptstadt scheinen den obersten Landesebenen vollkommen egal zu sein. Dass dem Domprediger Quast strengstens untersagt wurde, über diesen Fund zu sprechen und andere zu informieren, erinnert leider an längst vergessen geglaubte Regelungen im Umgang mit "Staatsgeheimnissen".

Ein historischer Fund im Dom, dem Wahrzeichen Magdeburgs, wird zuerst als geheimer Vorgang angesehen, über den die Magdeburger mal irgendwann nach Lust, Laune und Prestigeinteressen informiert werden. Dann wird er als Mittel der üblichen Rivalitäten zwischen Halle und Magdeburg missbraucht (koste es an Steuergeldern, was es wolle) - Frühaufsteher haben eben viel Zeit für Unsinn.

Ralph Tyszkiewicz, 39130 Magdeburg


Wie lange bleibt der Rücktransport der Fundstücke "zu riskant"? Wird der Sarg während der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Domjubiläum 2009 in Magdeburg zu sehen sein oder wird er dann immer noch in Halle "verwahrt"?

Dr. Kurt Schmidt, Vorsitzender der FDP-Ratsfraktion Magdeburg


Ist es nicht sehr beschämend, wenn sich eine Stadt die eigene Historie zusammenstehlen muss? Da hat sich Halle einen "Bärendienst" erwiesen.

Dieter Unger, 39108 Magdeburg


Was denken sich eigentlich die so eifrigen Archäologen bei ihren Arbeiten? Wenn sie nun einen Bleisarg finden, nennen sie es eine archäologische Sensation, die zunächst einmal wissenschaftlich untersucht werden muss. Muss sie das? Nur haben sie mich gar nicht gefragt, ob mir das so wichtig ist? Warum nicht? Das wäre aber außerordentlich wichtig gewesen. Weil ich es gar nicht schön finde, dass an diesem Grabfund nun herumgefingert, fotografiert, im Königswasseraufschluss köchelnd gelöst, geröntgt, gaschromatographisch zugeordnet und mikroskopiert wird. Das kann ja irgendwann vielleicht einmal passieren. Dann, wenn ich mir soweit im Klaren bin, was der Fund bedeutet oder bedeuten kann.

Ich frage mich indes, welche unglaubliche Arroganz und Ignoranz beflügelt unsere wundervollen Spezialisten dahingehend, mit einem solchen bedeutungsschweren Fund, der mich wenigstens genauso heftig bewegt wie die Herren Chefarchäologen und Ausgrabungsleiter, nur aus ganz anderen Beweggründen heraus, so umzugehen? Wie kommen die Herrschaften dazu, in dieser Weise über die Gebeine einer Herrscherin, zu der ich wenigstens die gleiche Verbindung habe wie jeder andere hier Lebende auch, herumzuschwadronieren und Dinge zu betreiben, die ich für gedankenlos, unverschämt und obendrein für ziemlich unwichtig halte?

Wer ermächtigt eigentlich die Wissenschaften, sich das Vorrecht herauszunehmen, als müsste das so sein? Die Herren Archäologen fanden keinen rostigen Nagel aus vermuteter Bronzezeit, sondern, es war ganz offensichtlich ein Fund, der von Anfang an auf die Königin Editha hinwies. Wie kann ich in dieser Weise solchen Fund an der Öffentlichkeit, an den Vertretern der Stadt vorbeilancieren und dann keck grinsend der Öffentlichkeit erklären, eine Überführung des Fundes wäre keine Nacht-bund- Nebelaktion, da sie am hellen Tage erfolgte? Welches Maß an Verhöhnung darf man sich eigentlich von staatlicher Stelle, denn es handelt sich immerhin um Verantwortliche des Landesamtes für Archäologie und Denkmalpflege, erlauben?

Ingolf Petzold, Magdeburg


Wenn ein Leiter des Landesamtes für Archäologie einen solchen Fund aus der Stadt holen kann, ohne die Stadtverwaltung, das Kulturhistorische Museum und den Oberbürgermeister zu informieren, wenn er dann auch noch die Domgemeinde nebst Domprediger zu Stillschweigen verpflichten kann, dann kann das nur eine Ursache haben. Er möchte den Ruhm für sich allein. Allerdings nicht ohne politische Rückendeckung.

Die Rechtfertigung, es handele sich um einen Notfall und man steuerte die nächste Uniklinik an, ist an Unsinn kaum zu überbieten. Jahrhunderte lag der Sarg im Dom, hat Kriege und Zerstörung überstanden, und nun ist er plötzlich gefährdet? Ein besonderes Fragezeichen verdient das Verhalten von Domprediger Quast hierbei! Wer ist denn befugt, den Domprediger und die Domgemeinde zu Stillschweigen zu verpflichten (außer Gott)? Ich finde, hier ist mindestens eine Entschuldigung fällig.

Das alles macht natürlich Sinn. Halle soll ja ein Mittelalterzentrum erhalten. Dabei würden sich die Gebeine von Editha prächtig machen. Magdeburg wird, wie üblich, übergangen.

Jens Radtke, Magdeburg


Halle bezeichnet sich als die Kulturhauptstadt Sachsen-Anhalts. Der Umgang mit гEditha" ist nach meiner Auffassung sehr wenig kulturvoll.
Da wird ein archäologischer Fund im Dom, entgegen den sonstigen Gepflogenheiten, verheimlicht und nach Halle gebracht. Der Leiter des Archäologischen Landesamtes handelt ziemlich selbstherrlich und der Kultusminister schaut zu.

Die Domgemeinde und die Landeshauptstadt haben ein anspruchsvolles Programm anlässlich des Domjubiäums auf die Beine gestellt. Das i-Tüpfelchen wäre nun der Sarg mit Edithas sterblichen Überresten im Dom. Aber nein, die Knochen werden in alle Welt verschickt zur Untersuchung.

Und wenn behauptet wird, die Untersuchungen sind in Deutschland nicht möglich, dann klingt das genauso nach Ausrede wie die Aussage, der Radiologe in Magdeburg war nicht zu erreichen und deshalb musste der Fund nach Halle gebracht werden.

Wir haben uns immer bemüht, keine "Neiddiskussion" zwischen Halle und Magdeburg aufkommen zu lassen, wie zum Beispiel, wer mehr Zuschüsse von der Landesregierung bekommt. Beide Städte haben ihre Stärken und auch ihre Schwächen. Wir waren bisher der Meinung, dass die Landesregierung bemüht ist, beide Städte gleich zu behandeln. Dieses Vertrauen ist zumindest von meiner Seite erschüttert.

Karin Meinecke, Stadträtin "Die Linke", Vorsitzende Kulturausschuss Magdeburg


Darf man den Archäologen, die mit der Erkundung alter Dommauern beauftragt waren, einfach so die Freilegung, den geheimen Abtransport, die medienträchtig durchorganisierte Präsentation und eine peinlichst genaue wissenschaftliche Untersuchung eines verstorbenen Menschen gestatten? Geht Herr Maller da nicht zu weit?
Es gab und gibt nicht wenige abendländisch denkende, christlich geprägte Magdeburger, die sich zwar auch eine Ehrung und öffentlich-stille Bekanntgabe, aber ebenso einen pietätvolleren Umgang (Führungen, Geschichtsvorlesungen, Gedenken) mit dem Fund gewünscht hätten.

Ja, und das hat auch mit Magdeburger, evangelisch orientierter, Identität zu tun. Ich fand es richtig, wie wir Magdeburger wenigstens hier ganz eng zusammengerückt sind.

Die Königin nach Halle und zur Weiterverschickung nach Mainz zu bringen, nur um zu testen, ob sie englisches Wasser getrunken hat? Selbst Atheisten bescheinigen dem Hallenser Grabungsteam Gott- und Respektlosigkeit, gedeckt vom Kultusminister.

Glaubt wirklich jemand, dass unsere Vorfahren vor 500 Jahren eine falsche Person verbargen?

Richard Müller-Reif, Magdeburg (Atheist)