Wir haben Geschichtsbewusstsein und das war auch so zu Zeiten der DDR. Dass Otto I. der Gründer unserer Stadt war, lernen schon die Kinder in der Schule. Wenn Archäologen den Sarg seiner Gatting Editha finden, dann gehört er wohl in unsere Stadt und nicht nach Halle.

Hannelore Koth, 39126 Magdeburg


Dass archäologische Funde einer besonders fachmänninschen Behandlung bedürfen, dürfte wohl einleuchtend sein. Doch gerade solche Funde sind für die jeweilige Region identitätsstiftend und daher für das Heimatgefühl der Menschen von großer Bedeutung. Man sollte annehmen, dass die Zeit vorbei ist, in der Kulturgüter heimlich weggeschafft werden, damit Lobbyisten sich damit schmücken.

Da bejammern die Regierungsparteien die Abwanderung von Menschen aus dem Bundesland unter anderem wegen zu geringer Heimatverbundenheit, sehen aber zu, wie Kulturgüter aus der Region in einer Landesbehörde verschwinden. Vielleicht sollte sich die Regierung einmal daran erinnern, dass Magdeburg auch aus europäischer Sicht eine jahrhundertealte Geschichte hat und die Landeshauptstadt von Sachsen- Anhalt ist. Willi Baumgarten, 39110 Magdeburg

Ich bin fest der Meinung, dass der Sarkophag schon etliche Male geöffnet wurde. Der Mensch ist schließlich neugierig. Sollte man nicht davon ausgehen, dass wo Editha drauf steht, auch Editha drin ist? Man hätte den Fund dokumentieren und den Bleisarg wieder an seinen angestammten Platz zurücklegen sollen.

Was nützen uns die vielen Untersuchungen, welche auch noch der Steuerzahler begleichen muss? Im schlimmsten Fall wird festgestellt, dass die Gebeine nicht von Editha sind. Die Katholische Kirche kommt auch nicht auf die Idee, ihre zahlreichen Reliquien auf Echtheit überprüfen zu wollen. Das Resultat wäre nicht vorstellbar.

Grebe, 39175 Gerwisch


Ehrlich gesagt, mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass man sich so erregen kann, was mit der Metallkiste der Editha vor sich geht.
Schließlich befindet sich das Landesmuseum unseres Landes in Halle
(Saale) und demzufolge wird dort entschieden, was mit einem angeblich so hohen brisanten Fund passieren soll.

Alte Städterivalitäten aufzuwärmen ist in diesem Zusammenhang wohl kaum nützlich. Den Fehde-Handschuh in unserem Land hat doch wohl die Magdeburg-hörige Polit-Prominenz ausgegraben beim Entscheid über Landeshauptstadt.

Was erwarten denn einige kluge Köpfe von diesem Fund? Ich will dazu nur einige Fakten in Erinnerung bringen, die alle "Aufregungen" als an den Haaren herbeigezogen betrachten lässt: Reformation in Deutschland mit all ihren Erscheinungen, und das etwa nach 500 Jahren der Bestattung von Edithas Resten, der 30-jährige Krieg erreicht unsere Stadt, einer damals reformatorischen Hochburg, Frankreichs Murat-Kavalleristen im umfunktionierten Dom (Pferdestall, amerikanische Erstbesetzer in unserer Stadt, es folgten schließlich unsere Totalbefreier.

Wenn jemand heutzutage noch der Meinung wäre, in dieser Metallkiste etwas Wertvolles bzw. Sensationelles zu vermuten, der muss sich wohl mehr oder weniger mit dem zurückgelassenen Krempel der Grabräuber zufriedengeben. Und dafür all diese Aufregung?

Hans-Joachim Engel, 39112 Magdeburg


Im Jahre 936 wurde Edgith wohl zusammen mit Otto in Aachen gekrönt. 18 Jahre lebte sie an der Seite des Königs und starb 946.
Nun beginnen die Rätsel. Da sie das Kloster St.Mauritius gestiftet hatte, wollte sie auch dort begraben sein, was auf eine Lage vor dem Hochaltar hinweist. Auch Otto wollte neben seiner sehr geliebten Gemahlin begraben sein, hatte aber den Neubau seines eigenen Domes begonnen.

Nun berichten die Chronisten Thietmar und Widukind von Corvey, dass Edgith "in der neuen Basilika, Nordseite nach Osten" liegt. Also hatte man diesen Teil der älteren Kirche in die neue integriert. Und auch beim Neubau des heutigen Domes, dem ersten gotischen Dom in deutschen Landen, hat man den Ruheplatz des großen Kaisers nicht verändert, sondern ebenfalls so integriert, dass sich die Maße des riesigen Bauwerkes nach ihm richteten.

Aber die Gebeine seiner ersten Frau wurden umgebettet und man feierte diesen Gedenktag Jahrhunderte lang. Man wusste aber nicht, wo sie nun begraben wurde. Bis jetzt. Immerhin hatte dieser Edgith einstmals ganz Magdeburg als persönlicher Besitz gehört: Der Ehemann Otto schenkte ihr nach der ersten Brautnacht seine Stadt.
So eine wundervolle Nacht wird in der Geschichte nur noch ein zweites Mal bezeugt: Der Herzog von Bayern, später Kaiser Heinrich II., hatte aus sechs Töchtern der Luxemburger die Kunigunde gewählt. Er schenkte ihr frühmorgens seinen Lieblingsort, die Stadt Bamberg, woher der schöne Name "Morgengabe" herrührt.

Die beiden großen Herrscher des Mittelalters verbindet mehr als nur die Liebe zu ihren Frauen, beide stammen aus dem sächsischen Adelsgeschlecht der Ottonen. Für beide war die Stadt Magdeburg ein
Dreh- und Angelpunkt der Macht bei ihren Reisen durch das deutsche Kaiserreich. Ebenso wie Heinrich II. neben seiner Kaiserin Kunigunde im Dom zu Bamberg begraben liegt, sollte auch die Königin Editha wieder den Weg zurück in den Magdeburger Dom finden. 2009 feiert der Dom zu Magdeburg sein 800-jähriges Jubiläum, die neuesten Forschungsergebnisse werden in der Landesausstellung "Aufbruch in die Gotik" ab dem 30. August 2009 in Magdeburg präsentiert.

Thomas Spindler, 96049 Bamberg