Die Aussicht auf sensationelle wissenschaftliche Ergebnisse hat wohl den Blick dafür getrübt, dass es sich um ein Königinnengrab handelt, das nach dem Willen des Kaisers unangetastet hätte bleiben müssen. Das Bild verfinstert sich weiter, wenn man aus Kreisen der Domgemeinde hört, dass auch die Totenruhe anderer Gräber in Dom und Kreuzgang durch die Grabungen gestört wurde. Es entsteht der Eindruck, dass die Verantwortlichen im Kultusministerium, der Dom- und Schlösserverwaltung in Leitzkau und beim Archäologischen Landesamt in Halle religiöser Empfindungen wohl entbehren.

Andreas Bremer, Uta Luise, Zimmermann-Krause, Gesellschaft für Mitteldeutsche Kultur e.V., Magdeburg


Die Verpflichtung von Giselher Quast zu "striktem Stillschweigen" erinnert mich an die Zeit vor 20 Jahren und länger. Mundverbote in einer Demokratie bedürften einer grundlegenden rechtlichen Aufklärung. Eine Entmündigung des Domherren streicht die Bedeutung Magdeburgs als Stadt Ottos des Großen grundlegend zusammen.

Bernd Blanke, 39120 Magdeburg


Warum trägt die Magdeburger Elbuferpromenade noch nicht den Namen "Königin Editha Promenade"? Warum der Breite Weg (Magdeburg) nicht den Namen "Kaiser Otto Weg"? Zumal Magdeburg im Mittelalter bedeutender war als andere Städte in Europa. An diese historische Verantwortung muss Magdeburg anknüpfen. Wir sollten nicht warten bis andere Städte Otto für sich vereinnahmen.

Jürgen Pätzold, 39340 Althaldensleben


Die Öffnung des vermeintlichen Kenotaphs ist keine Ausgrabung. Hier wurde ein Sarkophag geöffnet, der sich seit 500 Jahren an geweihter Stelle im Chorumgang eines christlichen Doms befindet. Sein Inhalt wurde in Halle vor die Öffentlichkeit gezerrt. Vielleicht wäre alles nicht gekommen, wenn die evangelische Kirche ein Machtwort gesprochen hätte. Fakt ist aber leider: Die evangelische Kirche hat im Magdeburger Dom nichts zu melden. Sie ist keineswegs Herr im Haus.

Dieter Müller, 76646 Bruchsal


Es war fromme Sitte im Mittelalter, dass Verstorbene so dicht wie möglich an einer Kirche bestattet wurden, beziehungsweise bei besonderen Persönlichkeiten in der Kirche. Otto I. hatte bestimmt, dass Editha in der Moritzkirche bestattet wurde, der Vorgängerin des jetzigen Domes. Über 1000 Jahre ist dieses respektiert worden. Auch wir sollten die fromme Sitte unserer Vorfahren achten. Der Sarg hat so schnell wie möglich an den Ort zurückzukehren, wohin der nach seiner Bestimmung gehört: In die Nähe des Hochaltars des Magdeburger Domes.

W. Blümner, Pfarrer i.R., 39108 Magdeburg


Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Domprediger Quast rein zufällig im richtigen Moment an der Ausgrabungsstätte einfand und sich dann auch noch so mir nichts dir nichts zu absolutem Stillschweigen vergattern ließ! Wir sind doch hier nicht in einer Märchenstunde!

Eva-Maria Weise, 39114 Magdeburg


Ich wundere mich über den wohl ziemlich überflüssigen Hader.
Historiker fasziniert die Leidenschaft, mit der Interessierte sich äußern. Aber kann Leidenschaft in einer so komplizierten Materie der Ratgeber sein? Seit preußischer Zeit steht das Vorgeschichtsmuseum in Halle. Daraus hat sich eine international vernetzte außeruniversitäre Forschungseinrichtung und Denkmalschutzbehörde entwickelt, die ihre Aufgaben auch in Magdeburg kompetent wahrnimmt.

Im Magdeburger Dom werden wissenschaftliche und denkmalpflegerische Maßnahmen durchgeführt. Ich habe mir die Arbeiten vor Ort selbst ansehen dürfen und war von der Art der Durchführung und von den Ergebnissen eingenommen. Schon damals war die Rede davon, dass Edithas Kenotaph, also ein leeres Grabmal, das an Edith erinnern soll, im Zuge der denkmalpflegerischen Arbeiten temporär versetzt werden müsse. Dass dabei ein etwas desolater Bleisarg zutage kam, dessen Inschrift nahe legte, der Sarg berge Edithas Gebeine, konnte zunächst niemand ahnen.

Wissenschaftler und Denkmalpfleger hätten pfllichtwidrig gehandelt, wäre der Sarg nicht zur weiteren Untersuchung in die dafür vorgesehenen Labore verbracht worden. Dass die Gebeine in den Dom zurückkommen, ist selbstverständlich. Dass dann im Dom kein Kenotaph, sondern ein Sarkophag, ein Prunksarg mit den sterblichen Überresten zu bewundern sein wird, verdanken zu guter Letzt die Bürger den Wissenschaftlern und Denkmalpflegern in Halle.

Joachim Reichstein, 24857 Fahrdorf


Die Leute haben sich vor 500 Jahren doch nicht extra die Mühe gemacht, um uns einen Streich zu spielen. Wie kommt jemand jetzt darauf, diesen Grabinhalt plötzlich auf seine Echtheit zu prüfen?
Wie oft muss da noch draufstehen, was drin ist? Werden jetzt überall in Deutschland Gräber geöffnet?

Jan Hauser, 39104 Magdeburg


Diese Vorgehensweise demonstriert wahrlich keine Seriosität im Umgang mit der Geschichte, geschweige denn mit Ethik und Moral.

Dieter Linke, 39114 Magdeburg


Zumindest kann man den Hallensern bescheinigen, dass sie tatsächlich dem Land der Frühaufsteher angehören. Vor den demütigen Magdeburger Schweigern sollte man sich zukünftig wappnen, da es sonst passieren könnte, dass der Magdeburger Dom plötzlich in Halle steht.

Gerd Wrede, 39118 Magdeburg


Unrühmlich hat sich der Hausherr des Magdeburger Domes Giselher Quast verhalten, indem er schweigend diesem Raub beistand. Schwerlich vorzustellen, dass eine derartige Aktion etwa im Kölner Dom hätte stattfinden können. Befremdlich finde ich es ebenfalls, dass von unserem Ministerpräsident Böhmer nichts zu hören ist.

Christa Koch, 39110 Magdeburg


Es ist schlimm, auf welchem Niveau diese Debatte von einigen geführt wird. Emotionalität, nicht Rationalität bestimmt die Leserbriefe. In dieser Stellvertreterdisussion geht es nicht um den Fund. Sie bringt den tiefen Graben zwischen Norden und Süden dieses künstlich errichteten Bundeslandes zum Ausdruck. Man kann offensichtlich nicht miteinander, das würde ja verlangen, sich in Standpunkte anderer hineinzudenken, neutrale Meinungen Dritter zu akzeptieren.

Frank Schulze, 06130 Halle


Die Zurschaustellung des Fundes in Halle dient wohl eher der Aufwertung des Ladesamtes für Archäologie und dessen Leiters. In den
17 Jahren meiner Arbeit in Magdeburg habe ich mit großer Bewunderung die Anstrengung von Stadt und Land verfolgt, die historische Identität und Bedeutung Magdeburgs wiederherzustellen.

Irene Schneider, 39104 Magdeburg


Reicht unsere Fantasie nicht mehr aus, uns vorzustellen, was Kaiser Otto zu diesen Praktiken in der von ihm für sich und seine Frau Editha gestifteten Grablege gesagt und getan hätte?

Mechthild von Arnim, 39291 Brandenstein