Alles zum Streit um Editha unter www.volksstimme.de/editha

Magdeburg. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper ( SPD ) hat das Vorgehen im Zusammenhang mit der Entdeckung des mutmaßlichen Sarges von Königin Editha ( 910-946 ) im Magdeburger Dom kritisiert. Der Sensationsfund soll der Öffentlichkeit am Mittwoch im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle erstmals präsentiert werden.

In einer gestern verbreiteten Erklärung erregte sich Trümper über den seiner Meinung nach mangelnden Informationsfuss. Seinen Angaben zufolge erhielt die Stadt Magdeburg am 21. Januar 2009, unmittelbar vor dem Neujahrsempfang der Magdeburger Museen, über eine Pressemitteilung erstmals Kenntnis von der Entdeckung des Grabes. Laut Trümper ergaben Nachfragen beim Landesamt für Denkmalpfege und Archäologie, dass der Fund bereits im November/Dezember 2008 gemacht wurde. Noch vor Jahresende sei der Sarg in das Landesmuseum für Vorgeschichte ( Halle ) gebracht worden. Dort wird er am Mittwoch um 10 Uhr im Beisein von Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz ( parteilos ) vorgestellt.

" Dieses empfnde ich als einen Vorgang, der jeden Respekt vor der Geschichte Magdeburgs vermissen lässt ", zürnte Trümper. Die historische Identität Magdeburgs sei " auf das Engste mit Kaiser Otto dem Großen und seiner Frau Editha verbunden ". Insbesondere im Hinblick auf das 800-jährige Domjubiläum müsse die Erstpräsentation des Editha-Grabes " zwingend " in Magdeburg erfolgen. Das Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie erklärte hingegen, die Präsentation erfolge aus " konservatorischen Gründen " in Halle.

Bis auf die Landeshauptstadt seien alle Kooperationspartner des Domjahres 2009 rechtzeitig über den Fund informiert worden, sagte der Oberbürgermeister. " Es befremdet sehr, dass die Landeshauptstadt über Monate über diesen Sensationsfund in Unkenntnis gelassen wurde. Dieses nährt die Vermutung, die Landeshauptstadt zeitlich bewusst nicht in die Lage versetzt zu haben, Einspruch gegen die Erstpräsentation des Editha-Grabes in Halle einlegen zu können. " Trümper sprach von einem " Affront " und nannte das Vorgehen " völlig unangemessen ". Zugleich kündigte er an, die Landeshauptstadt werde der " kurzfristigen Einladung " zur Vorstellung des Sarges nicht nachkommen.

Seit 2006 wird im Magdeburger Dom eine archäologische Forschungsgrabung durchgeführt. Im Zuge der Untersuchungen war ein Bleisarg entdeckt worden, der laut Inschrift die ( umgebetteten ) sterblichen Überreste der Königin Editha beinhaltet. Die Gebeine und der weitere Inhalt werden derzeit wissenschaftlich untersucht. In Halle bef ndet sich das modernste Untersuchungslabor des Landes.

Editha war die erste Gemahlin Ottos I. des Großen. Dieser war zweiter deutscher König und ab 962 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. 929 gab Otto seiner Gemahlin Editha Magdeburg als Morgengabe.