Erst Generalintendant Tobias Wellemeyer nach Potsdam. Als nächstes der Leitende Direktor der Magdeburger Museen Matthias Puhle nach Braunschweig? Flieht die kulturelle Elite aus Magdeburg? Zugegeben: zugespitzt und nur bedingt vergleichbar. Aber Anlass, sehr genau hinzuschauen.

Was könnte einen Mann wie Puhle, der so hoch im Ansehen steht, der so viel in Magdeburg aufgebaut und für die Stadt getan hat, der so an Magdeburgs Zukunft gedacht hat, veranlassen zu gehen? Nur der Reiz des Wechsels, das bessere Angebot? Wenn es so wäre, könnte man es beim Bedauern bewenden lassen. Hier aber geht es um ganz andere Zusammenhänge.

Erfolg, so er dauerhaft ist, fällt nur sehr selten vom Himmel. Die richtige Vision, beharrlicher Fleiß und fügendes Glück ermöglichen ihn. Überraschend starke Besucherströme wie zu Puhles international gepriesenen Ausstellungen sind augenfälliger Lohn. Was ungesehen dahinter stand, war demütiges Klinkenputzen und geschicktes Verhandeln um begehrte Ausstellungsstücke und ums schnöde, aber nötige Geld. Das wache Beobachten von Vorhaben andernorts gehörte ebenso dazu wie das Erwerben von Vertrauen bei neuen Partnern.

Wenn Puhle das 17 Jahre tut, ohne dass sich die sachlichen Bedingungen für die Aufgabe und natürlich auch der " Dienstgrad " bessern, dass gleichzeitig Halle Zug um Zug mit Millionen Landesmitteln zur Museumsstadt ausgebaut wird, er aber jeden Euro dreimal umdrehen muss ... Ja, dann darf man sich nicht wundern, wenn andere aussichtsreich um ihn werben können ...

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um eine provinzielle Rivalität zwischen Halle und Magdeburg, sondern um die Frage, welchen Wert die Belebung von Geschichte für das Lebensgefühl und die Ausstrahlung einer Stadt, für ihre Seele, den genius loci haben soll. Und es geht um die Frage, wie man die Pfege und Entwicklung dieses Wertes ins Institutionengefüge von Stadt und Land zweckmäßig einpasst.

Das Werben Braunschweigs und der Umgang mit dem Sarg, in dem die Gebeine Edithas vermutet werden, haben zwar nichts direkt miteinander zu tun, wohl aber wirken beide Vorgänge aufeinander ein. Dass ein Landesarchäologe zwei Monate auf einem für die deutsche und europäische Geschichte möglicherweise ganz großen Fund sitzen bleibt, um dann das Stück " Ich bin der Entdecker der Editha " aufzuführen, ist das eine. Dass die skandalösen Umstände der Präsentation von der Landespolitik heruntergespielt oder beschwiegen werden, das andere. So jedenfalls hält man seine besten Leute nicht.