Sachsen-Anhalts Unternehmen auf der größten Computermesse der Welt. Die Aussteller berichten über anziehende Geschäfte, die für den weiteren Jahresverlauf durchaus positiv stimmen.

Hannover. " Bei uns kommt der Aufschwung ein Jahr später an " – und er ist tatsächlich da. Matthias Friedrichs, Geschäftsführer der Software-Schmiede Colima aus Wernigerode, ist guter Stimmung. Das Unternehmen mit 14 Beschäftigten am Stammsitz und einem Vertriebsmitarbeiter in Stuttgart kann sich derzeit nicht über mangelnde Aufträge beklagen. Colima entwickelt eine spezielle Software, durch die es möglich wird, in einem Unternehmen eingehende Anrufe automatisch per Sprachbefehl bis zum gewünschten Gesprächspartner durchzustellen.

Das ist ein Wachstumsmarkt. Ob das Zuschauertelefon des ZDF in Mainz, die Bestell-Hotline von EVO Elektroheizungen oder das telefonische Dienstleistungsangebot der Stiftung Warentest in Berlin – überall arbeitet im Hintergrund Colima-Software.

Friedrichs ist davon überzeugt, dass die positive Grundstimmung in der Wirtschaft anhalten wird. Zum einen würden Projekte, die wegen des lange ungünstigen Marktumfeldes geruht haben, wieder angegangen. Zum anderen ziehe auch das Neuinvestitionsgeschäft an. So versichern sich seit jüngstem die Stadtwerke München des Könnens der Wernigeröder, auch Volksbanken und Sparkassen tauchen zunehmend auf der Kundenliste auf. " Wir gehen davon aus, dass wir Mitte dieses Jahres den Gesamtumsatz des Vorjahres erreichen werden ", blickt Friedrichs voraus. Angesichts dieses Wachstums sucht Colima händeringend Software-Entwickler.

Auch bei BIM Consulting in Magdeburg weht ein frischerer Auftragswind. BIM, spezialisiert auf Industrieanlagen-Dokumentationen in " mitdenkenden " Datenbanken, spürt schon, dass die Konjunktur anzieht. " Große Anlagenbauer sind für die kommenden fünf Jahre ausgelastet ", wissen BIM-Geschäftsführer Rolf Paul und seine 20 Mitarbeiter.

Das positive Umfeld färbt auf die Auftragsbücher von BIM ab : Wer Anlagen baut, muss wegen der bis ins letzte Detail nötigen Nachweispflicht jedem Teil einen Stammbaum mitgeben – und das können die Magdeburger, die ihr Know-how beispielsweise beim Pharmakonzern Böhringer Ingelheim unter Beweis gestellt haben.

Das Magdeburger Unternehmen GeoContent zeigt auf der CeBIT die Welt, genauer Deutschland. Die Firma fertigt digitale Luftbildkarten an. Sie lässt Städte und Landschaften überfliegen und diese mit Spezialkameras an Bord der Flugzeuge bis in den Zentimeter-Hochaufl ösungsbereich genau ablichten. Das Material wird von den Magdeburgern aufgearbeitet und von so renommierten Anbietern wie Stadtplan. de oder Gelbe Seiten in deren optische Angebote eingebunden.

GeoContent-Vertriebschef

Matthias Bachmann schlägt den Anwendungsbogen noch weit darüber hinaus – von der Telekom und Vodafone, die mit den geographischen Daten ihre Funknetze planen, über den ADAC, der an das Satellitensystem GPS gekoppelte Wanderkarten mit dem von GeoContent zur Verfügung gestellten regionalen Straßen- und Wegenetzen anbietet, bis hin zu öffentlichen Verwaltungen, die am Reißbrett entstandene Bebauungspläne mit realen ( Foto- ) Landschaften vereinen.

Ihre wohl prestigeträchtigstes Projekt stemmen die 30 Mitarbeiter mit dem weltgrößten Internetinhalte-Suchdienst Google. Wer sich mit dem Programm " Google Earth " auf eine Reise aus dem Weltall auf die Erde macht und als sein eigener Pilot beispielsweise Berlin ansteuert, würde das Häuschen der Schwiegereltern ohne Geo-Content niemals zum Greifen nah betrachten können. Fast alle von " Google Earth " verwendeten Bilder von Städten, Wäldern, Flüssen und Seen in Deutschland entstehen in Magdeburg, erzählt Bachmann stolz.