Dort, wo sonst gerne über die Vergangenheit sinniert wird, soll schon bald die Zukunft Einzug halten: Wissenschaftler aus Duisburg und Stuttgart forschen an Robotern, die im Altenheim Getränke servieren oder schwere Gegenstände durch die Flure tragen sollen.

Duisburg/Stuttgart (dpa). Der "Casero" ist kein Roboter, wie man ihn aus Science-Fiction-Filmen kennt: Er hat weder Arme noch Beine, er hat kein Gesicht und sprechen kann er auch nicht. Trotzdem könnte der Roboter, der etwa so groß wie ein Einkaufswagen ist, schon in zwei bis drei Jahren zu einem beliebten Kollegen der Pfleger im Altenheim werden. An dieser Antwort auf den demografischen Wandel arbeitet zurzeit ein Forscherteam mit der Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Der Roboter orientiert sich mit mehreren Kameras, während er selbstständig über die Flure rollt und bis zu 100 Kilogramm schwere Lasten schleppt. Einen Haken hat der elektronische Helfer dennoch: "Der Casero ist so teuer wie eine Vollzeitkraft", sagt Volker Beßler aus dem Stuttgarter Altenheim, in dem die ersten Service-Roboter getestet wurden. Für den "Casero" müsste ein Altenheim etwa so viel hinblättern wie für einen Mittelklassewagen.

Doch die Investition könnte sich auszahlen, wie der Soziologe Diego Compagna von der Universität Duisburg annimmt: "Die Zeit, die sonst für den Transport von Gegenständen gebraucht wird, könnten die Pfleger dann mit den Heimbewohnern verbringen."

Transportroboter gibt es schon seit fast 40 Jahren. Einer, der sich selbstständig orientiert, Hindernissen ausweicht und dabei so klein und wendig ist, sei dagegen neu. Die Experten bezeichnen den "Casero" auch als "fahrerloses Transportsystem". Mit Hilfe einer Reihe von Sensoren und Kameras kann der Robo-Packesel über die Gänge fahren, ohne gegen eine Wand oder einen Menschen zu stoßen. Und er kann sogar Aufzug fahren. Über einen drahtlosen Internetzugang ruft er den Lift und lässt sich so in einen anderen Stock befördern.

Während die Entwicklung des "Casero" bereits konkrete Formen angenommen hat, steckt sein Bruder noch in den Roboter-Kinderschuhen. Betritt er den Raum, stellt er sich erst einmal vor – der "Care-O-Bot 3" ist ein besonders höflicher Altenpfleger. Auf einem Tablett reicht er den Senioren ein Getränk und bittet freundlich darum, das Glas leer zu trinken. Doch nicht jeder Heimbewohner war im Frühjahr bei einem Test des Roboters vom Service begeistert: Von einem Roboter lasse er sich nichts bringen, soll ein Heimbewohner gesagt haben.

Selten bleibt Zeit für ein paar nette Worte

Andere Senioren ließen sich durchaus für den Roboter begeistern, denn schließlich wurde der elektronische Diener speziell an die Bedürfnisse der Heimbewohner angepasst. Dafür beobachteten die Duisburger Forscher die täglichen Abläufe und die Aufgaben des Pflegepersonals. Dabei fiel schnell auf, dass selten genug Zeit für ein paar nette Worte blieb. An allen Ecken und Enden mangele es an Personal. Während die Roboter Botengänge erledigen und zum Spielen auf dem Display einladen, könnten sich die Pfleger intensiver mit den alten Menschen beschäftigen. Im Gegensatz zum oft unterbezahlten Kollegen aus Fleisch und Blut kostet der "Care-O-Bot 3" aus Platinen und Schaltkreisen jedoch fast eine viertel Million Euro.

"Care-O-Bot" erkennt sogar Gesichter

Der stolze Preis liegt nicht zuletzt an der ausgeklügelten Technik im Kopf des Roboters: Durch Farbkameras, die ihre Umgebung ähnlich wie das menschliche Auge wahrnehmen, und einen Infrarot-3-D-Scanner kann der "Care-O-Bot 3" sogar Gesichter erkennen.

Füttert man das elektronische Gedächtnis des Roboters mit Fotos einer Person, kann er diese von einer Vielzahl anderer Menschen unterscheiden. Wann der einarmige Altenpfleger in Serie gehen kann, stehe noch nicht fest. Die Finanzierung des Projekts ist bis 2013 gesichert.