Immer seltener, aus fernen Ländern, immer bunter: Vielen Tierfreunden reichen die goldigen Meerschweinchen, Hauskater Carlo oder Promenadenmischung Fiffi längst nicht mehr. Exoten müssen es sein. Dabei werden Gefahren oft übersehen.

Berlin (dpa). Giftschlangen als Trophäen für Schnäppchenjäger? Exotische Tiere statt der schnurrigen Hauskatze im Angebot? Das ist immer häufiger nüchterne Realität auf vielen Tierbörsen. "Wir beobachten einen Trend zu bizarren Haustieren", sagte Henriette Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund.

"Die Zahl der Reptilien und Exoten in deutschen Wohnzimmern hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen", meinte die gelernte Tierärztin. Ein Beleg für diese Entwicklung sei die wachsende Zahl an seltenen Tieren, die von ihren überforderten Besitzern im Tierheim abgegeben werden. "Exoten sind Tiere, die normalerweise nicht in der Obhut von Menschen leben - zum Beispiel Schlangen, Skorpione, Geckos und Warane."

Diese in der Pflege sehr anspruchsvollen Tiere werden auf zahllosen Börsen und Ausstellungen in ganz Deutschland gehandelt. "Der Sinn von Tierbörsen war ursprünglich, dass Privatpersonen nachgezüchtete Tiere untereinander tauschen und verkaufen", erläuterte die Tierärztin.

Während der private Charakter bei Kleintierbörsen meist noch erhalten sei, gebe es bei Reptilienbörsen massive Tier- und Artenschutzprobleme. Die Tierschützerin hat dabei vor allem die gewerblichen Händler im Blick. "Viele kommerzielle Händler tingeln von Stadt zu Stadt. Den gestressten Tieren gönnen sie dabei kaum Erholungspausen."

Der Deutsche Tierschutzbund hat 2010 gemeinsam mit Pro Wildlife die gröbsten Missstände auf Tierbörsen in einer umfangreichen Studie dokumentiert. Demnach leiden die angebotenen Tiere oft unter Transportstress, zu kleinen Verkaufsbehältern sowie Wasser- und Futtermangel. Die Tierschützer beklagen zudem Spontankäufe, die durch Schnäppchenpreise und Mengenrabatte provoziert seien.

Spontankäufe in Verbindung mit fehlender Sachkenntnis des Käufers können dramatisch enden. Mackensen erzählt von einem 18-Jährigen, der auf einer Tierbörse eine hochgiftige Monokelkobra erwarb. "Wenige Tage später entwischte die Kobra in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Das Haus musste evakuiert und entkernt werden, da die Schlange nicht auffindbar war." Sie wurde später tot gefunden.

In Berlin sorgten zuletzt an einer Mülltonne abgestellte Kornnattern für Aufsehen, die im Tierheim in Hohenschönhausen abgegeben wurden. Die zehn Schlangen waren in Plastikschälchen untergebracht, wie sie auf Tierbörsen verwendet werden. Mackensen vermutet: "Vielleicht hatten der Händler oder der Käufer plötzlich keine Lust mehr auf die Tiere."

Bilder