Berlin (dapd/dpa). Die Ursache für den Tod von Eisbär Knut war wohl eine Hirnerkrankung. Das teilte der Zoologische Garten Berlin als Ergebnis der Untersuchung des toten Tieres mit.

Die Trauer vieler Menschen im In- und Ausland um den am Sonnabend plötzlich verstorbenen Zoo-Eisbären ist nach Auffassung des Berliner Psychologen Peter Walschburger verständlich. "Vielen ist Knut ans Herz gewachsen - so wie ein Familienmitglied oder Partner", sagte Walschburger. Die starke Beziehung, die vor allem manche Frauen zu Knut entwickelt hätten, führt der Wissenschaftler von der Freien Universität (FU) Berlin auch auf die besondere Geschichte des Eisbären zurück.

Als der Bär im Alter von wenigen Monaten erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurde, habe er mit seinem runden Kopf, den Knopfaugen, dem flauschigen Fell und den tapsigen Bewegungen absolut in des sogenannte Kindchenschema gepasst. "Die Natur hat es so eingerichtet, dass wir auf ein solches Aussehen eine sehr starke Reaktion entwickeln", sagte Walschburger. Hinzu sei noch die besondere Entwicklung von Knut gekommen - das Verstoßen durch die Mutter und die Aufzucht durch den Tierpfleger Thomas Dörflein. Diese Geschichten und ihre Bilder hätten dazu geführt, dass Knut vielen Menschen unendlich wichtig geworden sei. Der Medien-Hype um den kleinen Bären habe ein Übriges dazu getan, um die Emotionen weiter anzuheizen.

So sei aus dem Eisbären-Baby ein weltweiter Star geworden. Zu einem solchen Star gehörten allerdings auch Fans, die ihn mehr anhimmelten als allgemein üblich. Darunter seien vor allem solche, die fehlende intakte Sozialbeziehungen durch eine vermeintliche Beziehung zu einem prominenten Zootier ersetzten. Beziehungen zu Haustieren können eine ähnliche therapeutische Funktion haben, erläuterte der Wissenschaftler.

Wer Knut zu einer Art Ersatz-Fantasiepartner erhoben habe, der trauere ähnlich heftig wie jemand, der tatsächlich einen nahen Angehörigen verloren hat, erläuterte Walschburger. So gesehen sei es auch verständlich, dass dann andere dramatische Ereignisse weniger oder gar nicht wahrgenommen würden. Vielleicht könnte es hilfreich sein, sich bei aller Trauer um den Eisbären klarzumachen, welches Leid derzeit andere Menschen in der Welt, beispielsweise in Japan und Libyen, aushalten müssen, meinte der Professor.