In Tokio werden die Wasserflaschen knapp, in Fukushima wurden Arbeiter verstrahlt, über mehreren Reaktorblöcken stieg Dampf auf - die Lage in Japan wegen der Atomkatastrophe bleibt ernst.

Tokio (dpa). Beim Leitungswasser in Tokio gab es zwar eine vorläufige Entwarnung. In der Hauptstadt sank die Belastung des Wassers mit radioaktivem Jod gestern wieder unter den für Säuglinge festgelegten Grenzwert von 100 Becquerel pro Liter. Doch in Geschäften wurde abgefülltes Wasser knapp - obwohl die Trinkwasser-Warnung aufgehoben wurde. Die Stadtverwaltung begann, 240000 Flaschen Wasser an Familien mit Kleinkindern zu verteilen. Die japanische Regierung erwägt, mehr Flaschenwasser zu importieren.

In anderen Wasseraufbereitungsanlagen außerhalb Tokios wurde eine erhöhte radioaktive Belastung festgestellt. Babys sollten das Wasser dort nicht trinken. Die Behörden hatten Schwierigkeiten, genug Vorräte an abgefülltem Wasser bereitzustellen.

In Fukushima Eins wurden zwei Techniker verletzt, als sie in Reaktor 3 die Kabel reparieren wollten, um das Kühlsystem wieder in Gang zu bringen. Sie hatten in radioaktiv belastetem Wasser gestanden und waren einer Strahlendosis von bis zu 180 Millisievert ausgesetzt. Die Männer hatten sich vermutlich durch sogenannte Betastrahlen Verbrennungen an den Füßen zugezogen.

Der Nuklearmediziner Andreas Bockisch vom Universitätsklinikum in Essen erklärte: "Diese Werte liegen unter der Belastungsgrenze, ab der mit ernsthaften Auswirkungen zu rechnen ist. Bei 150 Millisievert kommt es statistisch zu fünf Krebserkrankungen pro 1000 Menschen."

Die Arbeiten in Fukushima gingen trotz des Unfalls weiter. Ziel ist es, das Pump- und Kühlsystem der beschädigten Reaktoren zu reparieren.

Gestern Morgen stieg weißer Dampf über den Blöcken 1, 2 und 4 auf. Es sei das erste Mal, dass dies auch bei Block 1 beobachtet werde, berichtete ein Sender.

Die japanische Regierung dämpfte die Hoffnungen auf schnelle Besserung nach der Katastrophe vom 11. März. "Nach gegenwärtiger Lage dürfen wir nicht zu optimistisch sein", sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace urteilte, die Gesamtsituation sei "nach wie vor dramatisch".

Die Suche nach den Vermissten der Erdbebenkatastrophe gestaltet sich immer noch äußerst schwierig. Zwar ist die wichtigste Autobahn in der betroffenen Region wieder für den öffentlichen Verkehr frei. Doch vor allem in der Präfektur Fukushima können die Retter wegen der Atomgefahr schwer nach Vermissten suchen. Offiziell liegt die Zahl der Toten nun bei mehr als 9700, mehr als 16500 Menschen gelten noch als vermisst. Mehr als 200000 Menschen leben noch in Notunterkünften.