Tokio (dpa). Rund um die Atomruine von Fukushima suchen seit gestern rund 300 Einsatzkräfte erstmals nach Toten und Vermissten. Bisher wurden mehr als 13 300 Todesopfer des Bebens und Tsunamis identifiziert. Mehr als 15 000 Menschen werden noch vermisst. Neben dem Suchtrupp für Vermisste sind auch Teams zur Messung radioaktiver Strahlung und zur Bergung der Leichen eingesetzt. Um den Zugang zu den Reaktoren zu erleichtern, haben Arbeiter Mittwochnacht damit begonnen, radioaktive Trümmer vom Werksgelände zu entfernen. Ungeachtet der laufenden Arbeiten wächst der Druck auf den japanischen Regierungschef Naoto Kan. Opposition und Parteifreunde werfen dem Premier Unfähigkeit im Umgang mit der Krise vor. Am Mittwoch hatte Kan zunächst erklärt, die Evakuierungszone rund um die Atomruine bleibe für die nächsten 10 bis 20 Jahre unbewohnbar. Dann nahm er diese Aussage zurück, was für Verunsicherung bei den Betroffenen sorgte.

Unterdessen versuchen Arbeiter des Stromkonzerns Tepco weiterhin, Wasser in die Reaktoren 1 bis 3 zu pumpen. Um eine mögliche Explosion von Wasserstoff in Reaktor 1 zu verhindern, füllten sie Stickstoff ein. Tepco gab zudem bekannt, dass einige der gelagerten Brennstäbe in Reaktor 4 beschädigt sind, berichtete die Agentur Kyodo. Dies habe die Untersuchung einer Wasserprobe aus dem Meiler ergeben. "Die meisten sind aber vermutlich in einem guten Zustand", hieß es. Tepco will eine unbemannte Drohne einsetzen, um in die Anlage zu schauen.

Landwirte aus der Umgebung der Atomruine fordern inzwischen von Tepco rasche Entschädigungszahlungen. In einem Protestbrief kritisierten die Bauern, Tepco habe sie nicht über die negativen Folgen der Strahlung aufgeklärt und sich nicht entschuldigt. Wegen der radioaktiven Strahlung und den Handelsbeschränkungen für Waren aus der Region müssten viele Bauern über die Aufgabe ihrer Höfe nachdenken. "Wir entschuldigen uns für die entstandenen Probleme und nehmen den Protest sehr ernst", sagte Tepco-Chef Masataka Shimizu. Wie groß die Verunsicherung in Japan ist, bekamen einige evakuierte Kinder aus Fukushima in der Präfektur Chiba zu spüren. So schikanierten einige Kinder etwa einen Jungen aus Angst, er könne sie mit Strahlung anstecken. Lehrer und Erzieher appellierten daraufhin an Eltern und Kinder, freundlicher und rücksichtsvoll mit den Evakuierten umzugehen.