Offenbach (dpa). Der Meteorologe Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst beantwortet Fragen zu den ungewöhnlich heftigen Unwettern in den USA.

Wie kommen diese gewaltigen Wirbelstürme zustande?

Sie werden ausgelöst durch ein kräftiges Tiefdruckgebiet, das sich über den USA befindet. Auf der Vorderseite ist feucht-warme Luft vom Golf von Mexiko, auf der Rückseite kalte Polarluft von Norden. Wenn diese Luftmassen aufeinanderprallen, bilden sich heftige Gewitter. Sie entladen sich in Tornados. Diese energiegeladenen Gewitterzellen rotieren heftig. Normal treten sie westlicher auf.

Die Intensität ist ungewöhnlich?

Das bewegt sich an der obersten Grenze und kommt nicht alle Jahre vor. Das sind sehr heftige Unwetter, die sich derzeit austoben. Mit der Intensität und Häufigkeit steigt die Zahl der Todesopfer. Wir haben keine Erklärung dafür, wieso es in diesem Jahr bereits so extrem ist. Starke Tornados gab es bereits Mitte April. Die Menschen dort müssen sich auf weitere starke Stürme gefasst machen. Die Saison erreicht ihren Höhepunkt erst in der ersten Mai-Hälfte und dauert bis in den Juni.

Wie können sich die dem Wetter ausgelieferten Menschen schützen?

Man sollte nicht ins Freie gehen und sich in geschützte Räume begeben, am besten in den Keller. In den USA gibt es ein recht ausgeklügeltes Warnsystem. Naht ein Tornado, alarmiert eine Sirene. Eine extra für Tornados zuständige landesweite Behörde, das Storm Prediction Center, arbeitet auch mit sogenannten Sturmjägern zusammen und gibt ihre Informationen an betreffende Orte weiter.

Wie häufig und stark sind Tornados in Deutschland?

Es gibt hier 15 bis 20 Tornados pro Jahr. Sie sind aber viel schwächer als in den USA, weil die Luftmassengegensätze nicht so groß sind. Ein Vorteil für Europa sind auch die Alpen. Sie schützen uns als Schranke von West nach Ost vor solchen Wetter-Phänomenen. In den USA ist das anders, dort verlaufen die Rocky Mountains von Nord nach Süd.