Paris (dpa). Eine der rätselhaftesten Flugzeugkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte könnte noch in diesem Monat aufgeklärt werden. Auf dem Meeresboden des Südatlantiks entdeckte ein Expertenteam jetzt auch den Stimmenrekorder des vor knapp zwei Jahren abgestürzten Air-France-Airbus. Das Gerät zur Aufzeichnung der Gespräche im Cockpit wurde in der Nacht zum Dienstag aus 3900 Metern Tiefe an die Meeresoberfläche geholt, teilte die französische Luftfahrtermittlungsbehörde (BEA) mit. Bereits am Sonntag war der Flugdatenschreiber geborgen worden.

Die beiden Geräte gelten als Schlüssel zur Aufklärung des Unglücks mit 228 Toten, darunter auch 28 Deutschen. Beide sind äußerlich in einem guten Zustand. "Das ist ein weiterer entscheidender Schritt vorwärts", kommentierte Air-France-Chef Pierre-Henri Gourgeon gestern. Die Daten könnten Antworten auf all die Fragen liefern, die sich die Hinterbliebenen und die gesamte Flugzeugindustrie seit zwei Jahren stellten. Noch nie zuvor war eine moderne Langstreckenmaschine wie der Airbus A330-200 aus voller Flughöhe unerklärlich abgestürzt.

Die mit Hilfe eines Tauchroboters vom Typ Remora 6000 geborgenen Flugschreiber sollen nun schnellstmöglich nach Frankreich gebracht und untersucht werden. Die BEA forderte dazu bei der französischen Marine die Entsendung eines Patrouillenboots an. Es wird die versiegelt aufbewahrten Aufzeichnungsgeräte an die südamerikanische Atlantikküste überführen. Von Cayenne in Französisch-Guyana bringt sie ein Flugzeug dann nach Paris. Ein Beamter der Kriminalpolizei überwacht den Transfer, der voraussichtlich zehn Tage dauern wird. Die Kosten der seit knapp zwei Jahren dauernden Suchaktion werden bereits jetzt auf mehr als 30 Millionen Euro beziffert.

Ein rund 70-köpfiges Team soll in den nächsten Wochen weitere Wrackteile und eventuell sogar Leichen von dem erst vor wenigen Wochen entdeckten Tiefsee-Trümmerfeld bergen.