Konstanz/Wiesloch (dpa). Der Taximörder vom Bodensee ist nach dem Ausbruch aus dem Psychiatrischen Zentrum Wiesloch in der Nacht zum Montag gefasst worden. Nach der Festnahme des am Sonnabend Geflohenen ist die Erleichterung in Wiesloch und am Bodensee groß. Nicht einmal ein Jahr ist seit dem grauenvollen Mord an einer Taxifahrerin aus Friedrichshafen und der Vergewaltigung einer weiteren Fahrerin aus Singen vergangen. Etwa 24 Stunden lang mussten die Menschen am Wochenende nun erneut bangen: "Wir waren in höchster Alarmbereitschaft", sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Friedrichshafen.

Besonders die bei der Vergewaltigung schwer verletzte Frau sei nach dem Ausbruch ihres Peinigers extrem verunsichert gewesen. "Das Opfer stand unter enormer psychischer Belastung", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Konstanz. Auch die Taxifahrer am Bodensee atmen auf. Der Ausbruch aus dem Hochsicherheitstrakt hätte bei einem so gefährlichen Straftäter allerdings gar nicht erst passieren dürfen, sagte Vera Scharping, die ehemalige Arbeitgeberin der Fahrerin aus Singen. "Wir waren alle schockiert."

Inzwischen steht fest, dass ein Loch in der Außenmauer der Psychiatrie dem Taximörder seine Flucht aus der Klinik ermöglichte. Wie die Polizei in Heidelberg bestätigte, war der 29 Jahre alte Mann am Sonnabend durch eine "Baustellenöffnung" entkommen. Zuvor war er während seines Hofganges auf die Toilette gegangen und hatte dort seine mechanische Fußfessel mit einem etwa drei Zentimeter langen Nagel geöffnet, der in der Kordel seiner Jogginghose versteckt war. Danach war er mit Hilfe einer ausgehängten Klotür über die Gefängnismauern geklettert und geflüchtet. Den Nagel hatte die Polizei erst nach einer Röntgenaufnahme entdeckt. In der Vernehmung gab der 29-Jährige an, den Drahtstift in seiner Zelle gefunden zu haben.