Heute Abend eröffnet Ulli Schröder das weltweit erste Rolling-Stones-Museum - ausgerechnet in Lüchow in der niedersächsischen Provinz. Der Stones-Fan hat eine halbe Million Euro investiert, um seiner einzigartigen Sammlung einen würdigen Rahmen zu verleihen.

Lüchow. Kommt denn einer von den Rolling Stones zur Eröffnung? "Wir arbeiten daran", sagt Ulli Schröder und lächelt in die Fernsehkamera. Denn heute ist es soweit: Das weltweit erste Rolling-Stones-Museum öffnet seine "Voodoo-Türen" - im niedersächsischen Lüchow. Allerdings heißt es zunächst: geschlossene Gesellschaft. Morgen dann dürfen alle Interessierten das Museum besichtigen.

Auch, wenn das privat betriebene Museum noch nicht ganz fertig ist, lohnt sich ein Besuch schon jetzt. Denn das Glanzstück der einzigartigen Sammlung ist schon dabei: Der riesige Snooker-Billardtisch der Stones, den vor allem Keith Richards und Ron Wood auf ihren Welt-Tourneen ausgiebig genutzt haben.

Alle Stones haben das grüne Spieltuch signiert - eine Kostbarkeit für echte Fans. Das "heilige Tuch" hat den Wert eines Einfamilienhauses. Unzählige Male schon wurde der Tisch für die Stones weltweit auf- und wieder abgebaut, bevor das Monstrum seine nun vorerst letzte Station in Lüchow erreicht hat. Sollten die Stones noch mal auf Tournee gehen, holt der Spediteur die Dauerleihgabe wieder ab.

Über zehn Jahre hat Ulli Schröder den Plan gehegt, sein Museum zu errichten, das er auch als Geschenk an seine Heimatstadt versteht. Die Stadt wiederum hat sich an den Baukosten von einer halben Million Euro mit einem Zuschuss von 100000 Euro beteiligt.

Fast zwei Jahre Bauzeit sind seit dem ersten Hammerschlag verstrichen. Das Gebäude, ein ehemaliger Supermarkt im Fachwerkstil, ist spektakulär geworden. Außen bleibt der Fachwerkcharakter erhalten, so will es der Denkmalschutz. Immerhin leuchten die Gefache in Stones-Rot. Aber innen geht die Post ab: Das Museum empfängt seine Besucher in einem imposanten blutroten Entree. Der erste Blick fällt auf den großformatigen siebenteiligen Stones-Zyklus des Schweizer Künstlers Roland Muri. Rechts schließt sich ein echter irischer Pub an. Dazwischen Vitrinen, Vitrinen, Vitrinen: für die unzähligen Stücke, die Schröder zeigen will. Seine Sammlung, für die schon eine Million Euro geboten wurde, reicht von LPs, Tickets, T-Shirts und Plakaten bis hin zu Plektren und Gitarren der Stones.

Auf den Toiletten der nächste Hingucker: Ulli Schröders Rückansicht in Lebensgröße als Fliesenwandbild, wie er vor einem der Urinale steht. Und die sind - wie sollte es anders sein - in Form des berühmten Stones-Mundes gefertigt.

Im ersten Stock wartet der spektakuläre VIP-Bereich mit Whirlpool, Kaminecke und einem "Groupie-Zimmer" auf - "falls mal einer von den Stones kommt", wie Schröder hofft.

Gestern holte Ulli Schröder ein weiteres Highlight für sein Museum ab: Den nagelneuen Rolling-Stones-Flipper aus den USA, den er als erster in Europa erhält. "Und der darf, im Gegensatz zu dem Billardtisch, auch gespielt werden", zwinkert Schröder.

Damit ist es amtlich: Im Museum wird 48 Stunden vor der Eröffnung noch hart gearbeitet, gemalert, gemauert, geschraubt, Bilder werden gehängt. Ob dann am Sonntag wirklich alles fertig ist? Schröder hat seinen Humor noch nicht verloren: "Falls nicht, machen wir einfach in vier Wochen die nächste Eröffnung. Das ist eben Rock\'n\'Roll".

   

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