Eine Woche vor dem Rosenmontag sind in Deutschland die Narren los. Eine Sitzung jagt die Nächste. Neben den traditionellen Karnevalsveranstaltungen findet sich auch Alternatives. Neu am Start ist die "Immisitzung" von und für Migranten. So etwas gibt es nur in Kölle.

Köln/Bremen/Berlin. (dpa). Eine Burka-Verschleierte, ein Turbanträger, tanzende griechische Götter, türkische Bauarbeiter oder singende Ägypter auf der Bühne. Dafür keine Büttenreden, kein Tusch und Tätärä, keine Funkenmariechen. Alles ist anders bei der "Immisitzung" in Köln.

In der noch ganz neuen alternativen Karnevalssitzung kommt manches frech und frisch daher, vieles provokant, alles hat Multi-Kulti-Anstrich. "Die Immisitzung als Sitzung von Künstlern mit Migrationshintergrund ist deutschlandweit einmalig", sagt Sprecher Andreas Menn.

Die Schauspieler und Tänzer sind Immigranten etwa aus Russland, Mexiko, Griechenland, der Türkei oder den USA. Sie bestreiten das Programm für "integrationsgeile Immis und Kölsche Chinesen", für "Negerköpp" aus Köln-Nippes im Speziellen und "Karnevalsterroristen" im Allgemeinen, wie sie den Zuschauern zurufen. Der Sound der Band klingt exotisch-orientalisch. Die Sitzungspräsidentin hat Wurzeln in Kamerun. Ein bunter Haufen, der was kann, alle Sketche, Songs und Tanznummern stammen aus eigener Feder und Regie.

Die Bremer dagegen feierten am Sonnabend das 46. Mal Karneval mit heißen Samba-Rhythmen, ausdrucksstarken Masken und waghalsigen Stelzentänzern. Mehr als 120 Gruppen, unter anderem aus Deutschland, Dänemark, Frankreich und den Niederlanden, zogen am Sonnabend durch die Innenstadt. Die knapp 2000 Tänzer und Musiker lockten mit dem farbenfrohen Spektakel unter dem Motto "carneval theatral" Tausende Schaulustige auf die Straße. Laut Veranstalter ist der Bremer Umzug der größte Masken- und Samba-Karneval in Europa.

Närrisches Treiben auch in der Hauptstadt. Begleitet von zehntausenden Besuchern zog ein bunter Tross mit rund 2000 Teilnehmern durch die City West. Zwischen 500 000 und einer Million Menschen hätten das Spektakel bei strahlendem Sonnenschein verfolgt, schätzte der Vorsitzende des Vereins Karnevals Zug Berlin, Harald Grunert: "Es war ein Erfolg. Trotz des kalten Wetters kamen viele kostümierte Leute."

50 geschmückte Festwagen rollten vom Ernst-Reuter-Platz über den Kurfürstendamm. Tonnenweise wurden Kamelle ins Publikum geworfen. Berlin veranstaltete zum elften Mal einen Karnevalszug.

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