Kopenhagen (dpa). Somalische Piraten haben jetzt auch Kinder in ihrer Gewalt. Die 13-, 15- und 17-Jährigen waren auf einer Weltumseglung mit den Eltern und zwei weiteren Erwachsenen unterwegs. Die dänische Familie soll Behördenwarnungen in den Wind geschlagen haben. Sie ist seit einer Woche in der Gewalt von Seeräubern.

Dänemarks Außenministerin Lene Espersen schloss nach Bekanntwerden der Entführung einen Freikauf mit Staatsmitteln aus. Jetzt sammeln Dänen für das Lösegeld.

Während die sieben Skandinavier von den Piraten als "Tauschware" an Somalias Küste gefangengehalten werden, sind in ihrem Heimatstädtchen Kalundborg Freunde und Kollegen aktiv. Einer Nachbarin ist vor allem das Schicksal der Kinder unter die Haut gegangen. Der 15-jährige Hjalte hatte in seinem Internet-Blog noch zwei Tage vor dem Piraten-Überfall im Indischen Ozean von der Jacht auf hoher See aus geklagt: "Hier passiert aber auch rein gar nichts." Jetzt erwartet ihn und die anderen wohl monatelange Gefangenschaft mit ungewissem Ausgang.

Hjalte hatte auch geschrieben, dass sich die Gruppe auf etwaige Piratenüberfälle mit einem ausgefeilten Plan eingestellt habe. Der half offensichtlich nicht. Mehr als tausend Seeleute sind 2010 im Golf von Aden und vor Ostafrikas Küste als Geiseln genommen worden. Sie wurden fast immer von ihren Reedereien freigekauft.

Hobby-Reisende sind seit 2009 erst in vier Fällen von Seeräubern überfallen worden. Der Ausgang dieser Entführungen dürfte die Angst um die dänische Familie nicht senken: Vor zwei Wochen wurden alle vier Amerikaner auf einer Jacht von ihren Entführern getötet, als US-Militärs sie befreien wollten. 2009 starb eine von fünf französischen Geiseln bei einem Befreiungsversuch. Ein britisches Ehepaar musste 400 Tage warten, ehe es freikam. Immer noch gefangen ist ein im November überfallenes Paar aus Südafrika.