Rom (dpa). Die Deutsche, die am Montag gemeinsam mit Hunderten Tunesiern in einem Flüchtlingsboot die süditalienische Insel Lampedusa erreichte, ist auf der Flucht vor ihrem Ehemann. Wie die 40-Jährige gestern im italienischen Fernsehen erzählte, habe sie mit ihrer neunjährigen Tochter diesen Weg gewählt, weil ihr tunesischer Ehemann sie nicht ausreisen lassen wollte.

Sie habe wochenlang vergeblich versucht, ein Ausreisevisum für sich und ihr Kind zu bekommen, um Nordafrika zu verlassen. Als "letzte Lösung" habe sie die Reise in einem Flüchtlingsboot angetreten.

"Angst hatte ich jedoch keine", erzählte die blonde Frau lächelnd. Sie habe lange in Tunesien gelebt. Auf dem vollen Boot habe sie sich wie in einer großen Familie gefühlt. Es sei sehr eng gewesen: "Zwischen uns hat keine Zigarette mehr gepasst." Genau wie die anderen Flüchtlinge habe sie allerdings Furcht vor schlechtem Wetter gehabt.

Die Frau stammt nach italienischen Medienberichten aus München. Sie kam mit ihrer Tochter zunächst in einem Hotel der Insel unter. Sie sagte, sie sei habe alle notwendigen Papiere für eine Rückkehr nach Deutschland.

Der Flüchtlingsstrom aus Tunesien nach Lampedusa reißt nicht ab. In der Nacht zu gestern erreichten weitere Flüchtlingsboote die winzige Felsinsel. Wie italienische Medien berichteten, befanden sich rund 1600 Menschen in dem Auffanglager der Insel. 135 Immigranten seien gestern Vormittag in andere Auffanglager des Landes verlegt worden. Das Flüchtlingszentrum "Contrada d‘Imbriacola" auf Lampedusa ist nur für etwa 850 Insassen geplant.

Mitte Februar hatten in nur wenigen Tagen mehr als 5600 Menschen aus Tunesien Lampedusa erreicht, das selbst nur etwa 4500 Einwohner zählt. Die 130 Kilometer von der tunesischen Küste entfernte Insel südlich von Sizilien ist für viele Menschen in Afrika seit langem ein "Tor nach Europa".