In Japan häufen sich Meldungen über verstrahltes Wasser und andere Lebensmittel. Für ein ganzes Dorf in der Fukushima-Region gilt ein Leitungswasser-Verbot. In mehreren Präfekturen darf keine Milch mehr ausgeliefert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist besorgt.

Tokio (dpa). In Japan wächst die Gefahr aufgrund von radioaktiv belastetem Trinkwasser und verstrahlten Lebensmitteln. Auch das Meerwasser ist radioaktiv belastet. Für vier Präfekturen verhängte die Regierung ein Lieferverbot für Milch und mehrere Gemüsesorten. Ein komplettes Dorf in der Fukushima-Region darf kein Leitungswasser mehr trinken. Messungen in Iitate rund 30 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt ergaben einen deutlich erhöhten Wert von 965 Becquerel Jod pro Liter Leitungswasser. Der Grenzwert liegt bei 300 Becquerel.

Spuren von radioaktivem Jod wurden mittlerweile in dem Trinkwasser von neun Präfekturen gemessen, unter ihnen Tokio. Cäsium wurde in zwei weiteren festgestellt. Die Grenzwerte der Kommission für atomare Sicherheit wurden aber bei allen diesen Proben unterschritten.

Noch in der vergangenen Woche hatte die WHO die Lage als nicht besorgniserregend eingestuft. Man werde sich der Lage mehr und mehr bewusst, sagte der Sprecher nun. "Die Dinge haben sich ganz sicher seit der vergangenen Woche bewegt."

Erhöhte Radioaktivität gibt es in Japan unter anderem bei Blattgemüse wie Spinat: Bei Hitachi 100 Kilometer südlich des AKW Fukushima wies Spinat einen Jod-131-Wert von 54000 Becquerel und einen Cäsium-Wert von 1931 Becquerel je Kilogramm auf. Die Grenzwerte liegen in Japan bei 2000 Becquerel für Jod und bei 500 Becquerel für Cäsium. Die WHO empfiehlt allerdings einen generellen Grenzwert von nur 100 Becquerel pro Kilo.

Wichtige Region für Reis- und Obstanbau

Der Norden der Präfektur Fukushima ist eine der wichtigsten Anbauregionen für Reis, Obst und Gemüse und wird auch für Milchwirtschaft genutzt. An dem mehr als 150 Kilometer langen Küstenstreifen wird intensiv gefischt. Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig in der Provinz. Der Betreiber des Kernkraftwerks Fukushima Eins will womöglich eine Entschädigung an Bauern in der Region zahlen.