Vor 27 Jahren wird eine junge Tramperin in Schleswig-Holstein vergewaltigt und getötet. Nun steht der Mord an der Schwesternschülerin vor der Aufklärung: Ermittler haben mit Hilfe von DNA-Spuren einen Verdächtigen gefasst.

Kiel (dpa). Gabriele galt als freundlich und zuverlässig. Sie war 18, als sie an einem Freitagabend Anfang Februar 1984 aus Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein) aufbrach, um per Anhalter in eine Diskothek zu fahren. Doch sie kam nie dort an. Neun Tage später fanden zwei Schülerinnen in einem Waldstück bei Bad Bramstedt Gabrieles Leiche. Die junge Frau war mit ihrem eigenen Schal erdrosselt worden. 27 Jahre lang suchte die Polizei nach dem Täter. Nun haben Ermittler einen Verdächtigen gefasst. Neue Technik zur Untersuchung von Gen-Spuren hatte sie zu dem Mann geführt.

Der 64 Jahre alte Verdächtige sitze seit Mittwoch in Untersuchungshaft, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei gestern in Kiel mit. Er habe die Tat gestanden. Vor fast drei Jahrzehnten soll der Mann, der wie Gabriele aus dem Kreis Segeberg kommt, das Mädchen mit dem Auto mitgenommen haben. "Völlig zufällig", sagte Oberstaatsanwältin Birgit Heß. Nach Erkenntnissen der Ermittler vergewaltigte der damals 37-Jährige die junge Frau und tötete sie. Danach lebte er unbehelligt weiter, ein Mann mit Familie, der völlig unscheinbar wirkt.

Erst eine neue, verfeinerte Untersuchungsmethode von Gen-Spuren brachte die Fahnder voran. Gutachtern des Landeskriminalamtes war es gelungen, mit dieser Methode DNA-Spuren festzustellen, die sie als relevant für die Tat einstuften. Vom Herbst 2010 an gaben mehr als 150 Männer ihre Speichelprobe ab, nachdem Ermittler ein Profil des potenziellen Täters erstellt hatten. Das damalige Alter und die Nähe zum Tatort spielten dafür eine Rolle.

Eine der Proben brachte den entscheidenden Hinweis. Als die Beamten am Dienstag in der Wohnung des 64-Jährigen anrückten, ließ er sich widerstandslos festnehmen. Das Amtsgericht Kiel erließ einen Haftbefehl wegen Mordverdachts. Hinweise, dass der Mann weitere Taten begangen haben könnte, hat die Polizei derzeit nicht.