Acht Tote, mehr als 130 Verletzte: Der Unfall auf der A19 bei Rostock war die schlimmste Massenkarambolage der vergangenen 20 Jahre auf deutschen Straßen. Die Opfer sind nun identifiziert. Jetzt werden die Ursachen gesucht, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Kavelstorf (dpa). Sie waren auf dem Weg in ein sonniges Wochenende an der Ostsee oder wollten nach einer arbeitsreichen Woche einfach nur nach Hause. Schnell, auf der Autobahn. Doch kurz vor dem Ziel brachte eine dunkle Wolke aus Sand und Staub, aufgewirbelt vom ersten Frühjahrssturm dieses Jahres den Tod.

82 Autos, darunter auch Lastwagen, rasten ineinander, verkeilten sich und gingen teilweise in Flammen auf. Die Bilanz des Infernos auf der A 19 südlich von Rostock: Acht Tote, gut 130 Verletzte. 21 Unfallopfer waren gestern noch in den Kliniken von Güstrow, Bützow und Rostock in Behandlung. Bei einem der Patienten wurde der Zustand als "sehr kritisch" eingeschätzt.

"Das war ein einziges Trümmerfeld, und es waren schockierende Bilder", berichtet Feuerwehr-Einsatzleiter Hannes Möller. "Sie haben alle Ungeheures geleistet", würdigt die Sprecherin des betroffenen Landkreises Güstrow die Arbeit der rund 300 Helfer.

Die Identität der Toten ist weitgehend geklärt. Rettungskräfte hatten vielen Unfallopfern helfen können, für acht aber gab es keine Rettung mehr. Sie waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Ein 34-jähriger Berliner war dabei das jüngste Todesopfer.

Zu den Opfern gehört auch eine 69-jährige Frau aus Sandersdorf-Brehna (Kreis Anhalt-Bitterfeld). Außerdem starben eine 45-jährige Frau und ein 60-jähriger Mann von einer Familie aus dem nordbrandenburgischen Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Unter den Todesopfern aus Mecklenburg-Vorpommern sind zwei 45 und 69 Jahre alte Männer aus dem Kreis Güstrow. Außerdem starben eine 68 Jahre alte Frau und ein 75 Jahre alter Mann aus dem Nachbarkreis Bad Doberan. Für mehr als 130 Menschen ging der Massenunfall glimpflicher aus. Sie kamen mit Verletzungen davon.

Unterdessen erinnern nur noch frisch planierte Böschungen und ein etwa 60 Meter langes "Asphalt-Pflaster" auf der vom Feuer ramponierten Betonstrecke an das folgenschwere Unglück nahe dem Ort Kavelstorf. Von Sonntagmittag an konnte der Verkehr wieder Richtung Norden rollen. Dort hatten die brennenden Autos auf der Fahrbahn besonders schwere Schäden hinterlassen: Bis zu fünf Zentimeter tief hatte sich die Feuersbrunst in den Beton gefressen.

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen. "Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung", sagte die Sprecherin der Rostocker Staatsanwaltschaft, Maureen Wiechmann. Zu klären sei, ob Autofahrer angesichts der drohenden Gefahr zu schnell oder zu unvorsichtig gefahren waren. Noch am Freitag waren fünf Fahrzeuge an der Unfallstelle beschlagnahmt worden.