Der Pariser Imker Paucton hat sich einen besonders originellen Ort für seine Bienenstöcke ausgesucht: Das Dach der Opéra Garnier. Er schwört auf die vielen exotischen Pflanzen in der Großstadt.

Paris (dpa). Unten brummen die Autos, oben summen die Bienen: Auf dem Dach der prunkvollen Opéra Garnier im Herzen von Paris produziert Jean Paucton Honig. "Paris hat außergewöhnliche Grünflächen", erklärt der Imker. In den Parks und Gärten gebe es viele exotische Pflanzen und mehr als 300 Jahre alte Bäume. Paucton hat den originellen Ort für seine Bienenstöcke schon vor etwa 30 Jahren entdeckt. Mittlerweile hat er viele Nachahmer gefunden: Es soll über 300 Bienenstöcke in Paris geben.

Die Metallleiter, die auf das Dach des hinteren Gebäudetrakts führt, war ursprünglich wohl nur für den Schornsteinfeger gedacht. Paucton nutzt sie alle paar Tage, um zu seinen vier Bienenstöcken zu kommen. Dazu klettert der 77-Jährige durch ein Fenster und setzt seine Füße vorsichtig auf einen schmalen Dachabschluss. Ein Geländer gibt es dort oben nicht. Der Blick fällt auf Zinkdächer, den Eiffelturm und das Hochhaus-Viertel La Défense.

Wie kommt man darauf, an solch einem ausgefallenen Ort Honig zu produzieren? "Ich habe eines Tages Bienenstöcke gekauft, die ich eigentlich an meinem Haus auf dem Land aufstellen wollte", sagt Paucton. Doch der frühere Requisiteur an der Opéra Garnier kam ein paar Wochen nicht aus Paris weg. In der Oper erzählte er einem Feuerwehrmann von seinem Problem. "Der hat mir das Dach vorgeschlagen und die Sockel für die Bienenstöcke gebaut", erinnert sich der Imker.

Die Lebensbedingungen seien für Bienen in einer Millionenstadt sogar besser als auf dem Land. "In der Landwirtschaft werden intensiv Pestizide eingesetzt", sagt Paucton. Das treffe nicht nur die schädlichen Insekten, sondern auch die Bienen. Vor allem aber bedrohten die Mittel die natürliche Artenvielfalt und damit den Lebensraum der Bienen. "Außerdem ist das Klima in Paris milder als auf dem Land", fügt Paucton hinzu, der mittlerweile an mehreren Orten in Paris Bienenstöcke hat. "Selbst im November sammeln meine Bienen manchmal noch Nektar."

Diese Vorzüge scheinen immer mehr Imker zu entdecken. Das Rathaus des vierten Arrondissements erntete vergangenen Sommer seine ersten 30 Kilo Honig. Auf den Dächern des Grand Palais waren es 50 Kilo. Auch ein Luxushotel, eine Bank und selbst der Pariser Flughafen Roissy schmücken sich mit Bienenstöcken.

Im August will Paucton Honig von japanischen Schnurbäumen ernten. Dann fliegen seine Bienen zwischen der Oper und der Stadtautobahn hin und her, wo diese Bäume gelb blühen. Der Honig wird dann im Souvenirladen der Oper verkauft – zu Pariser Preisen von 15 Euro für 125 Gramm.

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