Die Katastrophe in Lorca kam aber nicht überraschend. Auf der Iberischen Halbinsel bebt die Erde mehrmals täglich.

Madrid (dpa). Die Straßen sind mit Trümmern übersät, in den Mauern vieler Häuser tun sich Risse auf, Autos sind von Gebäudeteilen eingedrückt. Die Stadt Lorca bietet nach dem Erdbeben im Südosten Spaniens ein Bild der Zerstörung. In den Parks der Stadt campieren Bewohner, die aus Angst um ihre Sicherheit nicht in ihre Wohnungen zurückkehren wollen. Mehr als 20 000 Menschen, ein Fünftel der Bevölkerung, verbrachten die Nacht im Freien.

"Ich kann Ihnen nicht garantieren, dass es keine weiteren Beben geben wird", sagte Bürgermeister Francisco Jódar. Neun Menschen kamen bei dem Beben der Stärke 5,2 ums Leben, mehr als 290 wurden verletzt. Lorca, die drittgrößte Stadt der Region Murcia, wurde nicht zum ersten Mal von Erdstößen heimgesucht. 1674 und 1818 wurde sie schon zweimal von Erdbeben zerstört.

"Die Gefahr von Erdstößen in dieser Gegend ist offensichtlich", sagte der Geologe Ramón Aragón Rueda. "Im Untergrund gibt es Verwerfungen mit beträchtlichen seismologischen Aktivitäten." Dennoch löste die Katastrophe in Spanien eine gewisse Überraschung aus. Denn wirklich schwere Beben sind ungleich seltener als in Italien oder der Türkei.

Trotzdem werden in Spanien jährlich 2500 Erdbeben registriert, von denen die meisten für die Bevölkerung aber nicht wahrnehmbar sind. Überaschend am Beben von Lorca ist das Ausmaß der Zerstörung. Bei Erdstößen dieser Stärke hätte es eigentlich keine Toten geben dürfen, sagt Luis Eugenio Suárez, Präsident des spanischen Geologen-Verbandes. Dass aber doch Menschen starben, lag einerseits daran, dass das Zentrum relativ dicht unter der Erdoberfläche und nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt lag. Andererseits dürften aber auch viele Gebäude der Stadt bauliche Mängel gehabt haben.

Die erste Vorschrift über erdbebensichere Bauten in Spanien stammt aus dem Jahr 1970 – lange nachdem die Gebäude in der Altstadt errichtet wurden.

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