Der Brandanschlag gegen die Bahn am Berliner S-Bahnhof Ostkreuz hat einen politischen Hintergrund. Die Polizei erklärte gestern Abend, sie gehe von der "Authentizität" eines im Internet verbreiteten Bekennerschreibens aus. Der Staatsschutz ermittelt.

Berlin (dpa). Zehntausende von Menschen in der Hauptstadt waren betroffen. Auch Tausende von Telefonkontakten waren lahmgelegt. Nach Angaben der Polizei nennen die Verfasser des Bekennerschreibens zur Begründung ihrer Tat Themen wie "Anti-Atom", "Antimilitarismus" und "Antirassismus/Flüchtlingsproblematik".

Die Folgen des Feuers an einem wichtigen Kabelknoten der Deutschen Bahn nervten die Berliner den ganzen Tag über. Verärgerte Pendler warteten vergeblich auf den Zug, Handykunden blicken ratlos auf ihr stummes Telefon. Der S-Bahn- und Regionalverkehr in Umland kam großflächig zum Erliegen, Fernzüge fuhren zu spät. Ticketbuchungen im Internet waren zeitweise nicht möglich.

Am Brandort fanden Polizei-Experten Spuren einer brennbaren Flüssigkeit. Der Verdacht einer vorsätzlichen Tat erhärtete sich schnell. Anfang November hatte es einen ähnlichen Kabelbrand in Berlin gegeben. Damals hatte sich eine autonome Gruppe zum Anschlag bekannt.

Der Kabelschaden, der gegen drei Uhr nahe der Umsteigestation Ostkreuz entdeckt worden war, traf einen neuralgischen Punkt. Signale, Fahrstrom für Züge, Lautsprecher und Anzeigen funktionierten an mehreren Bahnhöfen und Stellwerken nicht mehr. Im morgendlichen Berufsverkehr waren Zehntausende Pendler vor allem in den östlichen Stadtteilen aufgeschmissen. Den Kabelschaden zu spüren bekam auch das ICE-Werk der Bahn in Rummelsburg, wo Hochgeschwindigkeitszüge gereinigt werden. Die Folge waren Verspätungen im Fernverkehr, viele Züge hielten nicht am nahen Ostbahnhof. Am Flughafen Schönefeld, der nicht mehr per S-Bahn zu erreichen war, kamen viele Passagiere zu spät an.

In Mitleidenschaft gezogen wurden neben einem zentralen Kommunikationsknoten der bahneigenen IT-Sparte DB Systel auch Telekommunikationsleitungen. Beim Anbieter Vodafone führte das zu Störungen, von denen zeitweise eine "kleine fünfstellige Zahl" von Kunden betroffen war.