Grímsvötn gibt keine Ruhe: Die Vulkanasche aus Island dürfte heute auch den Flugverkehr in Norddeutschland lahmlegen. Ein Chaos wie im Frühjahr 2010 soll es aber Experten zufolge nicht geben.

London/Brüssel (dpa). Gut ein Jahr nach dem großen Vulkanasche-Chaos werden in Deutschland voraussichtlich wieder tausende Fluggäste am Boden bleiben. Die Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn mache eine Luftraumsperrung über Norddeutschland sehr wahrscheinlich, sagte Markus Beyer vom Deutschen Wetterdienst gestern.

Die Aschewolke war zum Abend weiter südlich gezogen – auch Richtung deutsche Küste. Ein Chaos wie im Frühjahr 2010 soll es allerdings nicht geben, vor allem, weil ein neues Drei-Zonen-Modell weniger Flugverbote vorschreibt.

Der Ausbruch des Grímsvötn sei zwar um ein Vielfaches heftiger, die Wolke verflüchtige sich aber wesentlich schneller, sagte Vulkanforscherin Gillian Foulger von der Universität Durham. "Weil es so groß losging, geht es auch schneller wieder zurück", sagte sie.

Bereits gestern wurden in Europa mehrere hundert Flüge gestrichen – betroffen war allerdings zunächst vor allem Großbritannien. Insgesamt rechnete die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol mit rund 500 abgesagten Flügen.

Bis Mittag waren im britischen Luftraum rund 250 Flüge gestrichen worden. Am Morgen hatte der Kernbereich der Aschewolke – in dem Flüge nicht mehr erlaubt sind, weil die Asche Flugzeuge beschädigen kann – den Norden Großbritanniens und Teile Irlands erreicht. Allerdings ließen die Behörden nicht den gesamten Luftraum schließen. Prominentester Leidtragender war US-Präsident Barack Obama, der vorzeitig von Irland nach London abreiste.

Der spanische Fußballmeister FC Barcelona wollte wegen der Aschewolke seine Anreise nach London zum Finale der Champions League gegen Manchester United vorziehen. Island hatte am Montagabend seine internationalen Flughäfen wieder geöffnet.

Im Frühjahr 2010 hatte der isländische Vulkan Eyjafjalla mit seiner Asche wochenlang Teile des internationalen Flugverkehrs gestoppt. Inzwischen sind Grenzwerte für die Aschekonzentrationen in der Atmosphäre festgelegt worden – und das Fliegen in Arealen mit geringer Konzentration ist erlaubt. Fluggesellschaften beklagen aber, dass es nach wie vor keinen einheitlichen Grenzwert gibt, bei dem alle Flugzeuge am Boden bleiben müssen.

In Deutschland wurde von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) eine kritische Marke festgelegt. Bei mehr als 2,0 Milligramm Aschebelastung pro Kubikmeter Luft darf nicht mehr geflogen werden – es sei denn, Triebwerk- und Flugzeughersteller geben grünes Licht.

Die SPD vermisste ein funktionierendes Krisenmanagement. Der Verkehrsminister habe eine einheitliche europäische Regelung angekündigt – nun sollen nationale Richtwerte darüber hinwegtäuschen, sagte Fraktionsvize Florian Pronold "Handelsblatt Online".

   

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