Vom Raucherparadies in die Raucherhölle – so zumindest sehen es Spaniens Tabakfreunde nach der Einführung eines der strengsten Rauchverbote der Welt. Am ersten Arbeitstag nach Inkrafttreten der Neuregelung wurden viele auf eine harte Probe gestellt.

Madrid (dpa). Der "cafelito" (kleine Kaffee) in der Eckkneipe am Vormittag ist vielen Spaniern heilig. Für Arbeiter wie Angestellte ist er eine willkommene Pause. Die Zigarette gehörte zum Ritual oftmals dazu. Doch seit der Einführung eines strengen Rauchverbots für alle Gaststätten am 2. Januar ist das vorbei. Gestern, am ersten Arbeitstag nach Inkrafttreten des Gesetzes, wurden Millionen Beschäftigte mit der neuen Realität konfrontiert.

"Die Umsetzung klappt gut", verkündete Gesundheitsministerin Leire Pajín schon am Morgen. Es werde aber eine Weile dauern, bis sich die Raucher daran gewöhnten. Dem kann José Luis nur zustimmen. "Selten habe ich meinen Kaffee so schnell getrunken wie heute", scherzt der Bankangestellte vor einer Bar in einem Büroviertel Madrids, während er bei fünf Grad an seiner Zigarette zieht.

Auch vor den anderen Lokalen versammeln sich die Raucher trotz der Kälte im Freien. "Ich kann verstehen, dass die Nichtraucher geschützt werden sollen, aber ich hole mir hier draußen den Tod", kritisiert José Luis. Ein paar Meter weiter empört sich eine junge Frau: "Wie immer ist unsere Regierung über das Ziel hinausgeschossen." Drinnen freut sich dagegen Kellnerin Cristina. "Ich kann besser atmen und auch tränen meine Augen nicht", sagt die 31-Jährige, selbst Raucherin. Es seien nicht bedeutend weniger Gäste gekommen als sonst, sagt sie. Die Raucher gingen aber schneller, weil sie nach dem Kaffee nun vor die Tür müssten. Aber: "Wir hatten auch neue Gäste, die gekommen sind, weil hier jetzt nicht mehr gequalmt wird." Der Hotel- und Gaststättenverband macht seit Wochen mit Horrorvisionen Front gegen das neue Gesetz: Bis zu zehn Prozent Einbußen und 150 000 Arbeitsplätze werde das Rauchverbot die Branche kosten.

Bei den meisten Wirten herrscht Resignation. Und es macht sich südländischer Einfallsreichtum breit: In Terrassenlokalen werden Gasheizöfen aufgestellt oder Decken verteilt. So mancher Raucher nutzte den Gang vor die Tür aber auch, um sich ohne zu bezahlen aus dem Staub zu machen.

Andere Wirte legen sich mit der Regierung an. In Sevilla verkündete ein Kneipenbesitzer, er denke nicht daran, seinen Kunden das Rauchen zu verbieten. Prompt kassierte er eine Anzeige. Es drohen Strafen zwischen 30 und 600 000 Euro, und zwar auch auf Spielplätzen sowie vor Krankenhäusern und Schulen, denn dort heißt es ebenfalls: "Prohibido fumar" (Rauchen verboten).