Die untere Oder gleicht einer Eiswüste: Kreuz und quer türmen sich die dicken Eisblöcke. Doch es taut, und Hochwasser droht. Eisbrecher haben viel zu tun. Auch Rhein, Mosel und Neckar schwellen an.

Frankfurt(Oder)/Koblenz (dpa). Weiß soweit das Auge reicht: Auf der unteren Oder türmen sich Eisschollen. Für Spaziergänger ein Naturschauspiel, für die deutsch-polnische Eisbrecherflotte viel Arbeit. Die Eisbrecher zerstören die eisige Pracht, um die Hochwassergefahr zu bannen.

Für die Brandenburger Eisbrecher wird die Arbeit zu einem Wettrennen: Die noch etwa 27 Kilometer lange Eisdecke der Oder muss aufgebrochen sein, bevor die Massen aus dem zunächst noch zugefrorenen polnischen Nebenfluss Warthe sie erreichen. Fünf Eisbrecher fahren bei Schwedt immer wieder vor und zurück, um die Schollen zu zerkleinern.

"Die Lage auf der Oder ist stabil, aber sehr, sehr ernst", sagt der Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg, Matthias Freude, gestern. Das Wasser steige langsam. Der Pegel zeigte gestern in Hohensaaten Finow einen Wasserstand von 7,52 Meter und war damit höher als zur Jahrhundertflut 1997.

Die größte Sorge bereitet ihm das Warthe-Eis. Sollte es abreißen, würde sich der Wasserstand in der Oder um mindestens 80 Zentimeter erhöhen. Die Eisbrecher müssten eher da sein als die Schollen.

Mit aller Macht strömt derzeit die Mosel am Deutschen Eck in den Rhein. In Koblenz lässt sich erahnen, wie viel Wasser sich seinen Weg durch die Moselschleifen bahnt. Bis zum Dienstag soll hier ein Pegel von etwa acht Metern erreicht werden und Wasser bis in die Altstadt laufen.

Noch haben die Ströme die Uferpromenaden nicht erreicht; von Ruhe vor dem Sturm kann aber keine Rede sein. Die Arbeiter der Bundesgartenschau, die im April in Koblenz beginnt, sind eifrig dabei, Zäune und Baumaterialien mit schwerem Gerät wegzuschaffen. Das Ausstellungsgelände ist zwar von hohen Mauern geschützt, noch stehen aber Holzhütten der Veranstalter in Moselnähe.

Im Oderbruch werden derweil die neuen Deiche mit 200 Betonplatten an zwei Abschnitten verstärkt. So sollen sie geschützt werden, damit sich die Schollen aus der Warthe nicht in den Deich fräsen, sagt Landesumweltamt-Präsident Freude. "Die Platten haben sich 2002 an der Elbe extrem bewährt."

Bilder