Rio de Janeiro (dpa). In Brasilien ist kein Ende der Unwetterkatastrophe in Sicht. Mehr als 610 Tote zogen die Helfer bislang aus den Trümmern und Schlammmassen im bergigen Hinterland von Rio de Janeiro. Die Arbeit der Rettungskräfte wird immer wieder durch neue Regenfälle behindert. In dem Ort Sumidouro sind noch etwa tausend Familien von der Außenwelt abgeschnitten. Es fehlt an Lebensmitteln, Trinkwasser, Benzin und Strom. Einige Opfer wurden begraben, ohne dass sie von Angehörigen identifiziert werden konnten.

Am schlimmsten traf es die Stadt Nova Friburgo, wo die Behörde bislang 274 Todesopfer meldete. In Teresópolis starben mindestens 263 Menschen, in Petrópolis 55 und in Sumidouro 19. Am Sonntag – dem Tag vier, nach dem gewaltige Schlammlawinen ganze Ortschaften in der Bergregion verwüsteten – ist es den Rettungsteams immer noch nicht gelungen, zu allen Orten vorzudringen. Einige Straßen werden durch neue Erdrutsche und Überschwemmungen blockiert.

Rios Gouverneur Sérgio Cabral verordnete eine siebentägige Staatstrauer für den Bundesstaat. Zwar habe die Rettungsaktion jetzt oberste Priorität und nicht etwa die Klärung der Schuldfrage. Doch Cabral ließ keinen Zweifel daran, dass er die Verwaltungen der Städte für mitverantwortlich an der Tragödie hält. Sie hätten es zugelassen, dass immer mehr Häuser in erdrutschgefährdeten Gebieten errichtet worden seien.