Himmelfahrt – im Volksmund: am Vatertag – ziehen sie wieder mit Bollerwagen und Schnapsglas am Halsband durch die Republik. Väter und solche, die es vielleicht mal werden wollen. Manche aber werden auch mit den Kindern auf dem Spielplatz sein. Denn es hat sich einiges getan an der Wickelfront.

Berlin (dpa). Der Kollege sitzt nicht mehr an seinem Platz: Elternzeit. Es gibt eine Flut von Ratgebern für den werdenden Papa, Kinderwagen sind mittlerweile ohne Bärchen zu haben, dafür in herrenfreundlichem Braun. Aus aktuellem Anlass eine kleine Vätertypologie im Überblick, Überschneidungen sind möglich.

Der Elternzeit-Vater: Verabschiedet sich extrem entspannt für einige Monate vom Büro in die Babywelt und glaubt, dass er die Pause dafür nutzen kann, Französisch zu lernen oder einen Bestseller zu schreiben. Dann aber: Krabbelgruppe statt Sprachkurs, Brei im Laptop und Wochen ohne Feierabendbier. Dafür hat er nach der Elternzeit wertvolle Tipps für Kollegen, etwa, wie man mit Kinderwagen joggt.

Der späte Vater: Früher um die 40, heute um die 50. Wie Autor Dieter Bednarz, der sein Leben mit Frau und drei Töchtern im Buch "Überleben an der Wickelfront" beschreibt. Dieser Vätertyp hat schon viel erlebt und gilt daher als entspannte Variante. Er hat viel Zeit, der Tochter beim Tennis zuzugucken und Fehler zu protokollieren. Da späte Väter keine Seltenheit mehr sind, werden sie nicht mehr automatisch für den Opa gehalten.

Der Patchwork-Vater: Sieht sein leibliches Kind nach der Trennung oft nur an Wochenenden und in den Schulferien. Er leidet darunter. Steht anfangs unter Druck, dem Spross Aufregendes zu bieten und ist oft im Zoo oder im Fußballstadion. Im Kindergarten ist der fliegende Wechsel zwischen den Eltern daran zu erkennen, dass an der Garderobe tagsüber der Autositz für den Nachwuchs hängt. Eine Variante ist der Patchwork-Vater, der kinderlos eine Frau mit Kindern kennenlernt. Wird meist beim Vornamen genannt. Auch er hat‘s nicht leicht. Hebt er mal den Zeigefinger, hört er: "Du bist nicht mein Vater."

Der schwule Vater: Hat entweder aus heterosexuellen Zeiten Kinder oder hilft Lesben, eine Familie zu gründen. Manchmal mit dem Patchwork-Vater verwandt. In Cafés und auf Spielplätzen dabei zu beobachten, wie er den Terminkalender mit den zwei Müttern abgleicht.

Der Sonntags-Vater: Ist selten zu Hause und wenn, will er seine Ruhe. Feierabend und Fernseher sind ihm heilig. Seine liebsten Kinder sind die satten, sauberen und braven – die dürfen am Sonntag auch mal zum Hoppe-Reiter auf sein Knie. Er ist aber der erste, der am Stammtisch mit den guten Noten seiner Kinder prahlt. Sein Sohn soll werden wie er selbst und seine Tochter Rechtsanwältin.

Der Politiker-Vater: Setzte sich früher fotogen mit den Kindern in Szene, um Volksnähe zu demonstrieren. Überließ den Nachwuchs sonst aber seiner Frau. Heute gehört es besonders bei Grünen-Politikern zum guten Ton, ein paar Wochen zu Hause zu bleiben. So hat es Parteichef Cem Özdemir gemacht, der über diese sechs Wochen sogar ein eigenes Interview gegeben hat ("Außer Stillen habe ich das ganze Programm mitgemacht"). Mit dem späten Vater verwandt (Gerhard Schröder). Heikel wird‘s für Politiker bei außerehelichem Nachwuchs (Horst Seehofer).

Der Prenzlauer-Berg-Vater: Trägt sein Baby im Tuch auf Rücken oder Bauch oder wickelt es im Kofferraum seines Vans. Weiß, dass die guten Kinderwagenstellplätze im Kaffee nur der frühe Vogel fängt, bestellt dem Kleinen ein Glas Milchschaum ("Baby Latte") und arbeitet am Laptop am neuesten Entwurf, während der Nachwuchs – nennen wir ihn Friedrich, Klara oder Charlotte – im Wagen schläft. Überhaupt der Kinderwagen: Große Räder hinten, kleine vorn, das ist im Szenekiez Pflicht. Mit etwas Stauraum für Muttis große Sonnenbrille.

Der Kabarett-Vater: Das Thema Vatersein ist auch auf den deutschen Comedybühnen schwer in Mode. Michael Mittermeier steht mit seinem Buch "Achtung Baby!" an der Spitze der Bestsellerliste. Esther Schweins inszeniert "Hi Dad" und sorgt mit Klischees von skurrilen Essensgelüsten bis zu Namensstreitereien für Schenkelklopfen. Die Comedians der ersten Generation werden jetzt erst Väter und verarbeiten das, was sie beobachten, erklärt Thomas Hermanns, Chef der Quatsch Comedy Clubs in Berlin und Hamburg. "Man spricht über das, was man kennt."

   

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