Besseres Wetter und ruhigere See lassen die Einsatzkräfte im Golf von Mexiko auf Fortschritte im Kampf gegen die dramatische Ölpest hoffen. Gestern sollte eine 65 Tonnen schwere Kuppel zum Bohrloch gebracht werden, die das Öl auffangen soll. Erfahrungen haben die Experten damit allerdings nicht.

Venice/Washington (dpa). Gestern sollte wieder damit begonnen werden, mit Hilfe von Spezialschiffen den schmierigen Teppich von der Meeresoberfläche abzuschöpfen. "Es sieht so aus, als würde das Wetter mitspielen", sagte ein Sprecher der Einsatzstabes in Louisiana. Hohe Wellen hatten das zuletzt verhindert.

Hoffnung setzt der Ölkonzern BP auch auf eine riesige Metallkuppel, die über die ständig sprudelnde Ölquelle am Meeresboden gestülpt werden soll. Damit soll das austretende Öl aufgefangen und kontrolliert an die Oberfläche geleitet werden. Erfahrungen damit haben die Experten aber nicht: Bisher wurde diese Methode nur in flachem Wasser angewandt. Das offene Bohrloch liegt dagegen in 1500 Meter Tiefe.

Gestern sollte die erste 65 Tonnen schwere Kuppel per Schiff zum Bohrloch gebracht werden. In einer Woche könnte das System dann einsatzbereit sein, hieß es. Zugleich bringen Unterwasser-Roboter Chemikalien an der Quelle aus, um das Öl zu binden.

BP begann unterdessen auch mit Entlastungsbohrungen. Sie gehen bis zu vier Kilometer unter den Meeresgrund und dauern rund drei Monate.

Geologie-Professor Lorenz Schwark von der Universität Kiel hält den Einsatz der Metallglocke allerdings für die einzige Möglichkeit, den Ölfluss relativ rasch unter Kontrolle zu bekommen. "Kurzfristige Möglichkeiten sind extrem begrenzt. Man muss ein zweites Loch bohren." Meinung

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