Das Schicksal der entführten Bankiersfrau aus Heidenheim in Baden-Württemberg ist weiter unklar. Mit einem Großaufgebot von 300 Beamten suchte die Polizei gestern nach der 54 Jahre alten Mutter zweier Kinder. Sie durchkämmten ein Waldgebiet in der Nähe der gescheiterten Geldübergabe an der A 7 zwischen Heidenheim und Aalen – jedoch ohne Erfolg.

Heidenheim (dpa). Am Freitagnachmittag unterstützten auch ein Polizeihubschrauber und Rettungshundestaffeln die Beamten. "Je länger die Suche dauert, desto kritischer wird die Situation", hieß es in Polizeikreisen. Die Ehefrau des Vorstandschefs der Kreissparkasse Heidenheim war am Mittwochvormittag aus ihrer Wohnung entführt worden.

Kurz darauf erhielt der Ehemann einen Anruf des Entführers. Der Unbekannte verlangte eine hohe Bargeldsumme. Der Ehemann deponierte das Lösegeld wie vereinbart neben der Autobahn 7. Es wurde jedoch nicht abgeholt. Seitdem gab es nach Angaben der Polizei keinen Kontakt mehr mit den Entführern. Aus der Bevölkerung sind rund 30 Hinweise bei der Polizei eingegangen, die alle geprüft werden. Eine heiße Spur gibt es noch nicht.

Die Suche konzentrierte sich bereits am Donnerstag auf ein Waldstück zwischen dem Wohnhaus der Entführten und der Ablagestelle des Lösegeldes. "Möglicherweise wurde die Frau von ihren Entführern im Wald zurückgelassen", erklärte der Polizeisprecher. Auch die Straßen rund um Heidenheim wurden abgesucht. Nach dem Auto der Entführten, das der oder die Täter möglicherweise als Fluchtfahrzeug benutzt hatten, wird ebenfalls bundesweit gefahndet. Der Kriminalpsychologe Rudolf Egg schätzt die Überlebenschancen von Maria B. als gut ein: "Etwa 90 Prozent aller entführten Personen kommen lebend wieder frei."

Dass die Entführer sich nicht mehr gemeldet haben, sei nachvollziehbar: "Sie haben einfach momentan nichts zu sagen und brauchen Zeit." Nach Eggs Angaben scheitern die meisten Entführer bei der Geldübergabe. Nur in etwa jedem 50. Fall wechsle tatsächlich Geld den Besitzer. Häufig gerieten die Entführer nach einer gescheiterten Geldübergabe in Panik und ließen ihr Opfer zurück.Nach Eggs Angaben werden 90 Prozent aller Entführungsfälle aufgeklärt; Kidnapper sind also nur in seltenen Fällen erfolgreich. Häufig ist der Täter im unmittelbaren Umfeld des Opfers zu suchen. Auch deshalb sei die Aufklärungsquote so hoch.