Mannheim (dpa). Mit langen Haaren, zumeist im übergroßen Anzug mit großen Gesten die Wetterfronten erklärend – so kennen Millionen Zuschauer den TV-Moderator Jörg Kachelmann. Wann der 51-jährige Schweizer wieder über die Bildschirme flimmert, ist seit Mittwoch jedoch ungewisser denn je. Wegen des Verdachts der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin hat die Staatsanwaltschaft Mannheim Anklage gegen Kachelmann erhoben. Da er die 36-Jährige dabei mit einem Messer bedroht haben soll, wiegt der Vorwurf besonders schwer. Bei einer Verurteilung könnten ihm bis zu 15 Jahre Haft drohen.

Doch zunächst muss das Landgericht Mannheim die Anklage zulassen. Seine Ex-Freundin aus Schwetzingen hatte Kachelmann angezeigt. Er soll die Frau, die sich von ihm trennen wollte, Anfang Februar mit einem Küchenmesser bedroht und zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Dabei soll er die acht Zentimeter lange Messerklinge gegen ihren Hals gedrückt und sie dabei verletzt haben.

"Während und nach der Tat soll der Angeschuldigte das Opfer mit dem Tod bedroht haben", erklärt die Staatsanwaltschaft Mannheim. Die Ermittler stützen sich bei der Anklage nicht nur auf die Aussage der Frau, sie haben auch DNA-Spuren Kachelmanns und der 36-Jährigen an dem Messer gefunden. Nun muss das Landgericht Mannheim entscheiden, ob es zum Prozess kommt und ob Kachelmann weiter in Untersuchungshaft bleibt.

Seit seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen im kanadischen Vancouver am 20. März sitzt der redegewandte TV-Moderator im Gefängnis in Mannheim und ist zum Schweigen verurteilt. Dafür wird viel über ihn geredet und geschrieben – das mediale Interesse ist riesig. Eine angebliche Geliebte gibt Interviews und Medien berichten detailliert aus dem Alltag des prominenten Häftlings hinter Gittern.

Kachelmann selbst war zum letzten Mal bei einer Vernehmung am 24. März in der Öffentlichkeit zu sehen. "Ich bin unschuldig", rief der TV-Wetterexperte beim Verlassen des Gerichts wartenden Journalisten zu, bevor er in den grünen Gefangenentransporter stieg. Jahrelang hat Kachelmann im Wechsel mit seinen Moderatoren zur besten Sendezeit das Wetter in der ARD auf bis dato ungewohnt flapsige Art präsentiert. Zugleich baute er einen der führenden Wetterdienstleister auf, die Meteomedia, mit Sitz in Gais südöstlich von St. Gallen und in Bochum.

"Vorerst kein Kommentar", heißt es bei Meteomedia auf die Frage, wie es nach der Anklageerhebung nun weitergeht. Herzstück von Kachelmanns Unternehmen ist ein engmaschiges privates Messnetz mit nach eigenen Angaben etwa 790 Stationen.