Es war seit längerem mal wieder ein guter "Wetten, dass..?"-Abend für Thomas Gottschalk. Die Begeisterung, die am Pfingstsonntag das Publikum in der Stierkampfarena Coliseo Balear in Palma de Mallorca erfasste und mehrfach zur La-Ola-Welle animierte, dürfte dem Moderator gutgetan haben.

Palma de Mallorca (ddp). Der Unterhaltungsdino "Wetten, dass..?" hatte zuletzt eher mäßige Quoten und im Februar mit 7,8 Millionen Zuschauern (Marktanteil 25,3 Prozent) gar seinen historischen Tiefststand erreicht. Wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag präsentierte sich der Moderator dennoch selbstsicher und wehrhaft gegenüber der Konkurrenz – die in Gestalt von Dieter Bohlen, der Gottschalk mit der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" an so manchem Sonnabend im direkten Wettbewerb zu schaffen gemacht hatte, auf dem Wettsofa Platz nahm.

Bohlen lud den Kollegen ein, eine "DSDS"-Show zu moderieren. Gottschalk sagte zu: "Ja, da muss dringend was passieren." "DSDS"-Moderator Marco Schreyl dürfte den Seitenhieb registriert haben.

Gäste wie Bohlen sind es offenbar, die Gottschalk braucht, um zu zeigen, wer im wahrsten Sinne des Wortes der Showmaster ist. Bohlen gab dagegen in bester "DSDS"-Manier den Unsympathen und Gottschalk damit Raum, sich in Szene zu setzen. So fiel Bohlen zu Lionel Richie, der zuvor vor allem die Frauen im Publikum mit einem Medley seiner Hits verzückt hatte, zwar schon Lobendes ein, vorher musste er aber loswerden, dass sein "Superstar" Mark Medlock "ja super seine Titel gesungen hat".

Den mitreißenden Auftritt von Amy Macdonald fand Bohlen nur "ganz nett". Wie ihm die gemeinsame Darbietung des aktuellen "Superstars" Mehrzad Marashi mit Medlock gefiel, die am Ende der mehr als dreistündigen Show einen Aufguss von "Sweat (A La La La La Long)" zum Besten gaben, ist nicht bekannt.

Wie bei "Wetten, dass..?" üblich, kamen die meisten Wettpaten nur kurz zu Wort. Der verletzte Fußball-Nationalspieler Michael Ballack, der nach dem WM-Aus von den rund 10 000 Zuschauern im Coliseo mit Standing Ovations begrüßt wurde, war offenbar so überwältigt, dass er gar nicht viel sagen wollte. Comedian Rick Kavanian durfte eine Jürgen-Klinsmann-Parodie zum Besten geben, die den Anwesenden aber nur ein müdes Lächeln entlockte. Mit Lionel Richie plauderte Gottschalk über den Nachwuchs und die Verantwortung, die Kinder mit sich bringen. Und Franziska van Almsick und die ehemalige Miss Südafrika Jo-Ann Strauss waren auch da.

Den größten Redeanteil dürfte nach Gottschalk immerhin nicht seine Assistentin Mi- chelle Hunziker gehabt haben, sondern Komikerin Cindy aus Marzahn, die sich gar nicht erst groß fragen ließ, sondern sich mit mal mehr, mal weniger ulkigen Einwürfen Gehör verschaffte. Der Flirt zwischen Gottschalk und dem ein wenig aufdringlichen Gast wirkte zwar etwas bemüht, sorgte aber für Lacher im Publikum. Das Fehlen großer Hollywoodstars hatte Gottschalk vor der Sendung damit begründet, dass diese mit einer Atmosphäre, wie sie in der Arena herrschte, möglicherweise überfordert seien. "Und bevor ich hier irgendeinen zerquetschten Hollywoodstar sitzen habe", der nicht wisse, wie ihm geschehe, habe er lieber einen Dieter Bohlen: "Der performt dann schon." Zu einer Zuschauerzahl wie in früheren Glanzzeiten, als regelmäßig die zweistellige Millionenmarke geknackt wurde, konnte aber auch Bohlen Gottschalk nicht verhelfen. 8,65 Millionen Zuschauer (32,3 Prozent) sahen die diesjährige Mallorca-Ausgabe von "Wetten, dass..?".

Wettkönigin wurde Sabrina Wasserthal, die – mit zwei angebrochenen Rippen – einen Traktor-Reifen 30-mal um die Taille kreisen ließ. Ihr kämpferischer Auftritt setzte eine lang anhaltende La Ola in Gang, die Gottschalk, das "Feierbiest des ZDF", wie er angekündigt wurde, recht erfolglos zu unterbinden versuchte. Ebenso wenig Herr der Lage war er, als Cindy aus Marzahn gemeinsam mit dem Publikum ein Geburtstagslied für ihn anstimmte.

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