Im Oktober, dem internationalen Brustkrebsmonat, steht der häufigste bösartige Tumor bei Frauen im Vordergrund vieler Aufklärungsinitiativen und Aktionen: das Mammakarzinom. In Deutschland erkranken rund 57000 Frauen jedes Jahr neu an Brustkrebs, täglich sterben rund 48 Frauen daran. Neben Früherkennung und Prävention werden neue und moderne Therapiekonzepte diskutiert, die den Tumor individuell und gezielt bekämpfen und gleichzeitig die Patientinnen schonen sollen.

Regionale Chemotherapie wirkt direkt am Tumor

Eine bereits erfolgreich angewendete Methode ist die neoadjuvante oder so genannte Induktionschemotherapie. "Man versteht darunter die Verabreichung der Chemotherapie vor der chirurgischen Entfernung des Tumors. Dadurch schrumpft der Tumor vor der Operation, bei manchen Patientinnen kann eine Amputation der Brust verhindert werden", erklärt Professor Dr. Karl Aigner, Ärztlicher Direktor des Medias Klinikums, einer Spezialklinik für Onkologie in Burghausen. Zu dieser Methode gehört auch die Regionale Chemotherapie (RCT), die Aigner als einer der wenigen Spezialisten weltweit anwendet. Dabei spritzt der Arzt die Zytostatika (Zellgifte) in einer hohen Konzentration direkt in die Blutgefäße, die den Tumor mit Blut versorgen, oder in die vom Tumor befallene Region. Die Zellgifte lassen sich individuell dosieren und bei Bedarf hochkonzentriert einsetzen. Weil sie direkt am Tumor wirken und nicht durch den Körper strömen, bleiben bei einem Großteil der Patientinnen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall aus. "Zwischen den Behandlungszyklen waren sie voll aktiv. Eine Krankschreibung war genauso wenig erforderlich wie die Verschreibung von Krankengymnastik, Lyhmphdrainagen oder Perücken. Medikamente gegen die sonst häufig auftretende Übelkeit mussten wir fast nie verabreichen", bestätigt Professor Aigner.

Neueste Erkenntnisse belegen Wirksamkeit

Eine am Medias Klinikum durchgeführte Beobachtung über einen Zeitraum von 16 Jahren bestätigt, dass sich mit der RTC die Tumore schon vor einer Operation stark verkleinern lassen. "Bei keiner der Patientinnen mussten wir die Brust amputieren. Bei 26 Prozent der Patientinnen, also bei jeder vierten Frau, wies die spätere histologische Untersuchung keinen Tumor mehr nach. Bei weiteren 48 Prozent war er so verkleinert, dass wir brusterhaltend operieren konnten", erläutert Aigner." Die Therapie besteht meist aus vier bis sechs Zyklen, von denen jeder etwa eine Woche dauert. Sie erfordert einen Klinikaufenthalt. Die privaten Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten, die gesetzlichen Krankenkassen vorerst nur im Einzelfall auf Antrag.

Infos: Medias Klinikum