Esslingen/Pfronstetten – Autos ohne Lenkrad und Pedale gab es bisher nur in der Forschung und nie auf öffentlichen Strassen. In besonderen Ausnahmefällen jedoch für gehandicapte Autofahrer mit ihren Behinderten-Mobilen. Ab jetzt können Fahrzeuge aller Art durch die so genannte x-by-wire-Technologie auch auf öffentlichen Strassen eingesetzt werden. Eine sensationelle Erfindung, natürlich TÜV-geprüft und abgenommen, nicht etwa von einer Fachhochschule oder Technischen Universität konzipiert, sondern von einem Unternehmen von der schwäbischen Alb.

Diese Firma Paravan hatte schon durch ihre Innovationen mit Behinderten-Fahrzeugen weltweit auf sich aufmerksam gemacht. Ob arm- oder beinlose Menschen, ob schwerstbehindert oder querschnittgelähmt – für diese Menschen aus inzwischen über 50 Nationen war die "Tüftlerschmiede von der Alb", wie Paravan gern genannt wird, oft die letzte Möglichkeit, wieder mobil zu sein. Eine unschätzbare Möglichkeit, seine Lebensqualität zu verbessern.

Um auch mit Sicherheit große Lastwagen, Rettungs-, Sanitär-, Berge- oder Löschfahrzeuge ohne Fahrer in oder durch kontaminiertes Gebiet, unzugängliches Terrain in durch Umweltkatastrophen, Kriege oder gefährliches Gelände bewegen zu können, wurde jetzt die Behinderten-Fahrzeug-Technologie weiter entwickelt. Auf der soeben zu Ende gegangenen Hannover-Messe-Industrie beispielsweise wurde vor der Messehalle 25 ein ATV (All Terrain-Vehicle) gezeigt, ein Forschungsobjekt der Leibniz Universität Hannover, das mit der x-by-wire-Technologie (bei Paravan Space Drive-System genannt) von Paravan ausgerüstet ist. Das ATV von Kawasaki, Tpy "Mule", wird bei der Nato-/Bundeswehr-Übung im Herbst in Hammelburg bei Fulda eingesetzt werden und Militärs verschiedener Nationen den aktuellen Stand von unbemannten Fahrzeugen demonstrieren.

Andere für den öffentlichen Verkehr umgebaute Fahrzeuge sind beispielsweise ein Pkw für ein privates Forschungsinstitut (Bild), ein Schwer-Lkw (für die Schlechtwege-Erprobung eines großen deutschen Herstellers von Nutzfahrzeugen), ein großer Geländewagen (ebenfalls für das Militär), ein Traktor für einen beinamputierten Weinbauern, eine Straßenkehrmaschine für den Öffentlichen Dienst oder der große Show-Truck des Objekt-Künstlers Luigi Colani.

Anlass genug für die Juroren des renommierten Hightech Award "CyberOne", den wichtigsten Technologiepreis des Landes Baden-Württemberg an Roland Arnold, Gründer und Geschäftsführer der Firma Paravan, und sein Team zu vergeben. War Arnold erst vor einem Monat mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet worden, nimmt, wie er sagt, der CyberOne für ihn einen besonderen Stellenwert ein. Vergeben wird der CyberOne-Preis jährlich durch die Baden-Württemberg Connected (bwcon). Die bwcon gehört zu einer Initiative des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), in dessen Kompetenznetzwerke über 100 der führenden thematischen Netzwerke miteinander verbunden sind und kooperieren. CyberOne lehnt sich mit seinem Wirtschaftsförderungsprogramm an die Aktivitäten des kalifornischen Silikon Valley an. In der Laudatio für Paravan steht als Begründung "für die Umrüstung von Behinderten-Fahrzeugen und die Entwicklung von Komponenten fürs Lenken, Bremsen und Gasgeben von Fahrzeugen".

www.paravan.de