Kirchturm, Windrad, Hochhaus: Wenn bei Reparaturen kein Gerüst mehr helfen kann, kommen sie zum Einsatz: Fassadenkletterer. Welche Ausbildung für das Arbeiten in großer Höhe erforderlich ist.

Wenn Fassadenkletterer gefragt sind, sind viele Baustellen mit ihrem Latein bereits am Ende: Oft ist es nicht möglich, Gerüste auf unfestem Gelände aufzubauen. Oder der Einsatz von Kränen ist zu teuer. In diesen Fällen werden Fassaden- bzw. Industriekletterer gerufen. Diese können alle handwerklichen Arbeiten in schwindelerregender Höhe durchführen. Der Alltag eines Fassadenkletterers gestaltet sich dabei ganz unterschiedlich.

Festanstellung oder Selbstständigkeit

Das Aufgabengebiet sowie der Einsatzort unterscheiden sich von Tag zu Tag: Mal muss eine Kirchturmspitze mit neuen Schindeln eingedeckt, mal ein Stadiondach repariert, mal die Fenster von einem Hochhaus gereinigt werden. Immer sind es Gebäude, zu denen keine Maschine oder herkömmliche Baustellenarbeiter hinkommen. Einen großen Einsatzbereich biete heutzutage die Windenergiebranche, so der Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitstechniken. Windkrafthersteller stellen Industriekletterer für die Wartung der Windräder ein. Hier ist eine Festanstellung möglich. Viele Höhenkletterer arbeiten aber auch selbstständig. Ob fest angestellt oder nicht, jeder muss eine spezielle Ausbildung absolvieren.

Bevor man sich zum Fassadenkletterer ausbilden lässt, sollte man eine abgeschlossene Fachausbildung vorweisen können - im besten Fall eine handwerkliche Ausbildung. Damit nicht nur die Arbeit, sondern auch das Klettern professionell ausgeübt wird, besuchen die angehenden Industriekletterer eine Berufskletterschule. In einer zweijährigen Ausbildung werden drei Kurse absolviert. Jeder Kurs ist kostenpflichtig. Das Grundseminar beginnt bei 1.000 Euro. Hier lernen die Teilnehmer das Arbeiten am Seil, die Materialien und Rettungstechniken kennen. Im Aufbaukurs lernt man zum Beispiel, wie man sich unter einem Träger entlang bewegt. Alle Kurse bestehen hauptsächlich aus praktischen Übungen.

Ärztliches Attest über Gesundheitszustand

Neben den handwerklichen und Kletterkenntnissen sind folgenden Fähigkeiten wichtig: Fassadenkletterer müssen volljährig und gesundheitlich topfit sein. Außerdem muss ein ärztliches Attest bestätigen, dass der angehende Höhenkletterer einwandfrei hört bzw. sieht sowie frei von Schwindel und Höhenangst ist. Ein gewisses Organisationstalent ist zudem von Vorteil. Das Werkzeug und Arbeitsmaterial hängt schließlich am Körper. Man muss bedenken, alles dabei zu haben, was man für die Arbeit in der Höhe braucht.

Die meisten Industriekletterer schätzen, ihre Arbeit mit ihrer Leidenschaft für das Klettern verbinden zu können. Dabei geht die Sicherheit immer vor. Diese ist in allen Höhen gewährleistet, da die Fassadenkletterer immer zu zweit und mit zwei getrennten Seilsystemen arbeiten. Kleine Unfälle wie Schnittverletzungen kommen schon einmal vor, Abstürze dafür nie. Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen: Der Respekt vor der Höhe darf niemals verloren werden.