Jedes zehnte Kind, das in einer kinderärztlichen Praxis vorgestellt wird, leidet unter einer chronischen Verstopfung. Obstipation, so der medizinische Fachbegriff, im Kindesalter ist also keine Seltenheit und sollte laut Auskunft des Deutschen Grünen Kreuzes von Ärzten und Eltern nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Marburg (rgm). Die Beschwerden können mitunter so gravierend werden, dass ein stationärer Aufenthalt in einer Klinik notwenig wird. Eine erfolgreiche Behandlung der kindlichen Obstipation erfordert Geduld von den betroffenen Kindern, deren Eltern und dem behandelnden Arzt.

Verstopfung ist als Zurückhalten von Stuhl infolge unvollständiger Stuhlentleerung definiert. Eine chronische Obstipation liegt bei einer Beschwerdedauer von mehr als zwei Monaten vor. Nach einem aktuellen internationalen Konsens müssen von den folgenden Symptomen mindestens zwei erfüllt sein:

- weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche
- mehr als einmal pro Woche Stuhlinkontinenz (Unfähigkeit, seinen Stuhlgang zurückzuhalten)
- große Stuhlmengen im Mastdarm oder im Bauch tastbar
- gelegentliche Entleerung großer Stuhlmassen
- Verkneifen des Stuhlgangs (das heißt sogenannte Stuhlrückhaltemanöver des Kindes, beispielsweise "Reiten" auf einer Stuhllehne oder Sitzen auf der eigenen Faust)
- schmerzhafter oder harter Stuhlgang.

Viele Kinder haben weitere Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Einnässen, Harnwegsinfekte, Kotstau, Blut- und Schleimabgang sowie psychische Probleme.

In 95 Prozent aller Fälle finden Kinderärzte keine organische Ursache für die chronische Verstopfung; man spricht hier von einer funktionellen Obstipation. Meist entwickelt sie sich aus einer akuten Verstopfung, die zum Beispiel auftritt, wenn im Säuglingsalter die Ernährung von Milch auf Beikost umgestellt wird oder zu wenig Flüssigkeit oder Ballaststoffe zugeführt werden. Verstopfung verursachen kann auch der Verzehr von zu viel Haushaltszucker und Kuhmilch. Weitere Gründe können psychische Belastungen wie familiäre Spannungen, Änderungen im gewohnten Tagesablauf, Irritationen beim Sauberwerden aber auch Bewegungsmangel sein.

Nur in fünf Prozent aller Fälle stecken hinter einer chronischen Verstopfung ernsthafte Erkrankungen wie der Morbus Hirschsprung oder eine Schilddrüsenunterfunktion. Selten wird die Obstipation auch durch Medikamente hervorgerufen.

Das Erfolgsgeheimnis für die Behandlung der chronischen Verstopfung liegt darin, den kleinen Patienten wieder die Verantwortung für ihren Körper und damit für die Darmentleerung zu übertragen.

Am Anfang der Therapie steht immer eine Darmreinigung. Bewährt haben sich hierfür Produkte, die als wirksame Substanz Polyethylenglykol, auch Macrogol genannt, enthalten. Das einzige für Kinder ab dem zweiten Lebensjahr zugelassene Macrogol ist "Movicol ® Junior aromafrei"; es ist auch für die anschließende Erhaltungstherapie geeignet und von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) als Mittel der ersten Wahl in deren neue Therapie-Leitlinien aufgenommen worden. Macrogol wird bei der Verdauung nicht resorbiert und bewirkt rein osmotisch eine Erweichung und Verdünnung des Stuhls im Dickdarm. Da es von den dort angesiedelten Darmbakterien nicht verstoffwechselt wird, sind keine schmerzhaften Blähungen zu erwarten.

Im Rahmen der Behandlung sollte zudem viel Zeit für die kindgerechte Aufklärung und für ein Toilettentraining eingeplant werden.