Berlin - Diabetikern wurde lange eine strenge Diät mit dem Verbot von Zucker und dem genauen Abzählen von Broteinheiten ( BE ) verordnet. Um Diabetikern das Einhalten ihrer Diätvorschriften zu erleichtern, entwickelte die Industrie spezielle Diabetiker-Lebensmittel. Sie enthalten Zuckeraustauschstoffe wie zum Beispiel Fructose. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch : Ein Zuckerverbot ist bei Diabetes nicht notwendig. Vielmehr sollten sich Diabetiker bei ihrer Ernährung an den Empfehlungen orientieren, die auch für die Allgemeinbevölkerung gelten.

Vor allem der tägliche Verzehr von Obst und Gemüse ist wichtig, weil diese Lebensmittel nicht nur antioxidativ wirkende Substanzen enthalten, sondern auch viele Ballaststoffe. Spezielle Diabetiker-Lebensmittel sind nicht erforderlich. Damit erübrigen sich aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung ( BfR ) besondere Vorschriften für Diabetiker-Lebensmittel.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselkrankheit : Der Körper produziert entweder kein Insulin mehr ( Typ 1 ) oder die Zellen können es nicht mehr aufnehmen ( Typ 2 ). Beide Varianten bewirken, dass der mit der Nahrung aufgenommene Zucker nicht ins Zellinnere gelangt und folglich auch nicht als Energielieferant oder Energiespeicher wirken kann. Der Zucker wird stattdessen im Blut angereichert und wird ungenutzt mit dem Urin ausgeschieden.

Da Diabetes keine reine " Zuckerkrankheit " ist, sondern auch mit Störungen des Proteinund Fettstoffwechsels einhergeht, benötigen Diabetiker individuelle Ernährungspläne. Neben normalen Blutzuckerwerten sind optimierte Blutfettwerte, normaler Blutdruck und normales Körpergewicht Ziele der Diabetes-Therapie.

Diese lassen sich vor allem durch eine ballaststoff- und vitaminreiche Ernährung erreichen. Obst, Gemüse und Salat sowie Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sollten täglich auf dem Diabetiker-Speiseplan stehen, fette Wurst- und Käsesorten dagegen ebenso wenig wie Schokolade, Kuchen und Kartoffelchips. Diabetiker sollten fettarme Milchprodukte bevorzugen und zum Kochen Öle statt Butter verwenden. Ihre Nahrung sollte nicht zu viel Kochsalz enthalten, Alkohol sollten sie nur maßvoll konsumieren.

Spezielle, " für Diabetiker geeignete " Lebensmittel sind dagegen entbehrlich. Dies gilt umso mehr, als die Kennzeichnung ihren Zweck nicht erfüllt : Es gibt eine Vielzahl anderer Lebensmittel, die für Diabetiker geeignet, als solche aber nicht gekennzeichnet sind. Wie alle anderen Verbraucher würden Diabetiker von einer erweiterten, einheitlichen Nährwertkennzeichnung profi tieren, wie sie auf europäischer Ebene diskutiert wird, so das BfR. ( rgm )