Ulm - Jeder Raucher weiß, dass sein Laster ihn früher oder später krank machen kann. Um seiner Lunge nicht allzu sehr zu schaden, greift er dann mitunter gerne zu vermeintlich milden Zigaretten - also jener nikotinreduzierten Variante, die früher unter dem Namen Light verkauft wurde. Doch einen Gefallen tut er seiner Gesundheit damit nicht : " Es ist ein Irrglaube, dass Light-Zigaretten verträglicher sind als starke. Im Gegenteil, sie sind eher noch schädlicher ", sagt Michael Barczok, Lungenfacharzt in Ulm und Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Pneumologen. Denn der Qualm von milden Zigaretten enthält allenfalls weniger Nikotin. " Die Menge an Teer und krebserregenden Stoffen, die man inhaliert, bleibt gleich – ja es ist eher noch mehr als bei normalstarken Zigaretten ", erläutert Barczok.

Das liegt daran, dass Raucher vor allem deshalb dauernd qualmen, weil sie ihre Nikotinsucht befriedigen müssen. Weil in einer Light-Zigarette von dem Gift weniger enthalten ist, ziehen sie umso stärker am Glimmstängel oder rauchen deutlich mehr Zigaretten, um ihr Verlangen zu stillen. Der angeblich positive Effekt einer milden Zigarette hebt sich also unter dem Strich auf – Raucher von Light-Varianten leben nicht gesünder.

Besonders tückisch, weil vermeintlich unschädlich, ist es nach Angaben von Barczok, wenn man nur zwei oder drei Zigaretten pro Tag raucht und diese womöglich in großen Abständen. Zwar sei dies grundsätzlich weniger schädlich als der Konsum von zwei oder drei Päckchen. Zu kämpfen habe der Körper aber auch mit einer Handvoll Glimmstängel. " Der Qualm jeder einzelnen Zigarette legt die, Müllabfuhr ‘ des Körpers für acht Stunden lahm ", sagt Barczok.

In dieser Zeit blockiert der inhalierte Rauch die Flimmerhärchen in der Lunge, die für den Abtransport von Schmutzpartikeln zuständig sind. Schadstoffe verharren in der Lunge und können zu Entzündungen der Bronchien führen.