Göttingen - Eine schlanke Figur ist für viele ein Ziel. Doch der Wunsch nach körperlicher Attraktivität kann auch krankhaft werden. " Rund 20 Prozent der Mädchen und jungen Frauen leiden zeitweise unter Essstörungen ", sagt Veit Roes sner, Kinder- und Jugendpsychiater am Uni-Klinikum Göttingen. Ihre männlichen Altersgenossen sind seltener vom Schlankheitswahn betroffen, aber auch unter ihnen sind Magersucht oder Ess-Brech-Sucht ( Bulimie ) verbreitet.

Wichtig ist, dass eine Essstörung früh erkannt wird, damit Maßnahmen wie eine Verhaltenstherapie eingeleitet werden können. " Je eher damit begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen ", betont Roessner. Andernfalls drohen schwere, zum Teil irreversible körperliche Schäden. In schweren Fällen können Essstörungen auch tödlich enden.

Eine beginnende Essstörung zu erkennen, fällt Eltern nicht immer leicht. " Meist gelingt es den Heranwachsenden sehr gut, ihr Problem zu verheimlichen ", erläutert Roessner. Aber es gibt Warnzeichen : Dem Mediziner zufolge steht am Anfang einer Essstörung häufi g Vegetarismus, das Kind hat also plötzlich keinen Appetit mehr auf Fleisch. Später folgen Diäten und der bevorzugte Griff zu Light-Produkten.

" Spätestens wenn das Kind nicht mehr mit der Familie, sondern alleine auf seinem Zimmer essen will, sollte man misstrauisch werden ", sagt Roessner. Klassisches Zeichen für eine Ess-Brech-Sucht ist zudem der Gang zur Toilette unmittelbar nach der Mahlzeit. Der Facharzt bemängelt, dass sich viele Eltern zu lange von Ausreden hinhalten ließen. Vielmehr sei konsequentes Handeln notwendig : Dazu gehört, dass man auf gemeinsame Mahlzeiten im Kreis der Familie besteht.

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