Welche Vor-und Nachteile hat nach überstandener Krebserkrankung eine Brustrekonstruktion mit Eigengewebe gegenüber dem Einsatz von Silikon-Implantaten ?

Es antwortet Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Direktor der Uniklinik für Plastische-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie in Magdeburg : Der Vorteil der Rekonstruktion einer amputierten Brust liegt im Eigengewebe selbst. Es gibt keine Abstoßung des Gewebes und keine Kapselbildung – so wie bei Fremdmaterial möglich. Das Eigengewebe wird als lebendes Gewebe transplantiert mit Anschluss von Gefäßen ( mikrochirurgisch, d. h. unter dem Mikroskop ), dadurch ist eine sofortige Durchblutung des Gewebes gegeben. Das Frührisiko ( Risiko direkt nach der Operation ) liegt bei etwa 4 bis 6 Prozent. Es ist bedingt dadurch, dass ein Blutgerinsel ein neu angeschlossenes Gefäß verschließen kann, so dass das transplantierte Eigengewebe nicht mehr durchblutet wird. Das kann – wenn es sofort bemerkt wird – wieder behoben werden. Ist das Frührisiko überstanden, kann das Eigengewebe nach Belieben geformt und nachkorrigiert werden, da es an einem anderen Ort als körpereigenes Gewebe einheilt. Die Brust aus Eigengewebe wird bei einer Gewichtsreduktion des Körpers mit abnehmen und bei Zunahme des Körpergewichtes zunehmen, wie es auch bei der normalen Brust der Fall ist. Spätkomplikationen bei Eigengewebetransplantationen sind extrem selten, während sie bei der Rekonstruktion mit Fremdmaterial bei zunehmendem Alter zunehmen ( wie Kapselfibrose, Ruptur und andere Komplikationen ).

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