Hämmernde Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit oder Sehstörungen. Millionen Betroffene kennen diesen Schmerz und vermuten sofort: Es handelt sich um eine Migräneattacke. Sie kann den Betroffenen stunden-, manchmal sogar tagelang regelrecht außer Gefecht setzen. Früher hielt man Migräne für eine eingebildete Krankheit.

Heute weiß man: Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um eine angeborene Veranlagung handelt, die das Nervensystem auf bestimmte Reize wie z.B. Nahrungsmittel, Gerüche oder Stress besonders empfindlich reagieren lässt. Migräne wird durch eine Erweiterung der Blutgefäße in der Hirnhaut verursacht. Dabei werden körpereigene Botenstoffe freigesetzt, die zu einer Entzündung um das erweiterte Gefäß herum führen. Diese entzündeten Blutgefäße und eine damit verbundene Veränderung der schmerzleitenden Nerven verursachen die Migränekopfschmerzen. Darüber hinaus werden Nervenzentren gereizt, die für Übelkeit und Erbrechen verantwortlich sind.

Vorboten der Migräne: Bei einigen Patienten tritt die Migräne nicht plötzlich auf, sondern kündigt sich durch bestimmte Hinweise an. Diese sogenannten Prodromalsymptome treten ein bis zwei Tage vor dem eigentlichen Kopfschmerz auf und können sehr unterschiedlich sein. Bei manchen Migränekranken sind es Schwankungen der Gefühle, wie z. B. depressive Verstimmung oder Euphorie. Andere fühlen sich "neben sich", benommen oder überaktiv. Wieder andere werden gähnend müde, oder sie verspüren Konzentrationsstörungen. Wer solche Vorboten kennt oder an sich entdeckt, sollte sie nutzen: Je früher man weiß, dass eine Attacke bevorsteht, desto besser kann man dagegen angehen (siehe Therapie).

Die Aura: Bei etwa 15 Prozent der Patienten beginnt die Migräne mit einer Aura, wobei es zu sämtlichen neurologischen Ausfällen kommen kann, die 5 bis 60 min andauern. Am Häufigsten werden verschiedene Sehstörungen in Form von Lichtblitzen oder Zackenlininen, verbunden mit Ausfällen der Wahrnehmung im Gesichtsfeld, berichtet. Aber auch Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen bis hin zu Lähmungserscheinungen sind möglich.

Der Schmerzanfall: Meist beginnen die Schmerzen in den Morgenstunden, und reißen die Patienten manchmal sogar aus dem Schlaf. Ganz typisch ist der pulsierende, pochende und zum Teil stechende Schmerz. Er beginnt häufig im Nackenbereich oder Hinterkopf, und strahlt dann in den Stirn-, Augen- und Schläfenbereich aus. Der Kopfschmerz ist häufig halbseitig, manchmal ist jedoch auch der ganze Kopf betroffen oder die schmerzende Seite wechselt während einer Attacke. Charakteristischerweise wird der Schmerz bei körperlicher Anstrengung stärker, zum Beispiel beim Treppensteigen oder dem Tragen von Einkaufstüten.

Auch die Sinne scheinen bei einem Migräneanfall verrückt zu spielen: Normale Zimmergeräusche erscheinen unerträglich laut. Licht ist eine Qual, weshalb sich viele Migräniker während eines Anfalls in einen verdunkelten, ruhigen Raum zurückziehen. Auch Übelkeit kann auftreten.

Nach dem Schmerz: Jetzt kommt es häufig zu einer Schlafphase, in der die Migräneattacke abklingt. Viele Betroffene brauchen anschließend aber noch ein bis zwei Tage, um sich vollständig zu regenerieren.

Typische Triggerfaktoren: Die Veranlagung, an Migräne zu erkranken, wird häufig vererbt. Aber trotzdem gibt es bestimmte Auslöser, die oft im Zusammenhang mit einer Migräne beobachtet werden. Häufig sind es die folgenden: Käse, Schokolade, Rotwein, bestimmte Biersorten. Doch nicht nur Nahrungsmittel sind typische Triggerfaktoren, auch Stress oder die Erholung nach stressreichen Phasen wird von Betroffenen häufig genannt. Bei Frauen tritt die Migräne außerdem oft zyklusabhängig auf.

Sehr häufig ist auch eine Veränderung des Tagesablaufs die Ursache. Migräniker sollten am besten jeden Tag nach dem gleichen Zeitplan leben: Immer zur gleichen Uhrzeit aufstehen, immer zur gleichen Uhrzeit essen - auch am Wochenende oder im Urlaub. Denn ein veränderter Tagesablauf bedeutet neue Reize für das Gehirn, und die kann der Migräniker gar nicht gebrauchen.

Hilfe bei Migräne: Der erste Schritt heißt, bewusst mit der Krankheit umzugehen. Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, in welches Sie Ihren Speiseplan und Ihren Tagesrhythmus eintragen. So erkennen Sie schnell eventuelle Auslöser und können diesen vorbeugen.
Zur Behandlung der Migräneattacke selbst sind die bestwirksamen Medikamente die so genannten Triptane. Dies ist eine Wirkstoffgruppe, die Anfang der 90er Jahre entwickelt wurde und eine Revolution in der Migränebehandlung darstellt. Sie wirken nämlich direkt dort, wo die Migräne entsteht: an den erweiterten Blutgefäßen im Gehirn. Triptane stoppen somit nicht nur die Kopfschmerzen, sondern bekämpfen auch die anderen typischen Migräne-Symptome.

Es gibt verschiedene Triptane auf dem deutschen Markt. Wenn das Präparat, was Sie bisher benutzen, nicht zu Ihrer vollen Zufriedenheit wirkt, sollten Sie in Absprache mit Ihrem Arzt ein anderes Triptan probieren. Denn Triptane wirken leicht unterschiedlich und werden von den Patienten auch unterschiedlich vertragen. Triptane müssen, bis auf eine Ausnahme, von Ihrem Arzt verschrieben werden.

Rezeptfrei aus der Migräneattacke: Neuerdings gibt es in der Apotheke auch ein freiverkäufliches Triptan-Präparat. Der Wirkstoff Naratriptan (Formigran) wurde von der Bundeszulassungsbehörde aus der Rezeptpflicht herausgenommen, weil er laut Experten einen "optimalen Kompromiss von Wirksamkeit und Verträglichkeit" darstellt. Das heißt, die meisten Patienten brauchen nur eine Tablette pro Attacke, und Naratriptan wird insgesamt sehr gut vertragen.

Ein rezeptfreies Triptan ist vor allem für diejenigen vorteilhaft, die "ihre" Migräne bereits gut kennen. Denn so effektiv die Triptane auch sind, sie helfen am Besten, wenn sie frühzeitig eingenommen werden.

Auf jeden Fall sollte eine Migräne von Ihrem Arzt abgeklärt werden, vor allem dann, wenn die Kopfschmerzen schlagartig und zum ersten Mal einsetzen, oder wenn der Anfall ungewöhnlich stark ist. Außerdem sollten Sie Schmerzmittel inklusive Triptane nicht an mehr als zehn Tagen im Monat einnehmen. Denn sonst könnten Sie sich noch einen neuen Kopfschmerz einhandeln – den Medikamentenkopfschmerz.
Tipps zur Vorbeugung: Vermeiden Sie grelles oder flackerndes Licht, sowie Lärm und beißende Gerüche.

Sorgen Sie für ausgeglichene Lebensumstände. Meiden Sie verrauchte Räume. Finden Sie heraus, ob Sie auf Alkohol oder bestimmte Nahrungsmittel empfindlich reagieren und verzichten Sie darauf. Typische Auslöser sind: Rotwein, bestimmte Biersorten, Käse, Zitrusfrüchte, Tomaten, Zwiebeln, Schokolade, Gewürze. Essen Sie regelmäßig und lassen Sie keine Mahlzeit aus. Verzichten Sie auf heißes Baden oder Duschen, sowie auf Saunabesuche.
Nach neuen Studien kann Pestwurz – regelmäßig vorbeugend eingenommen – Häufigkeit, Dauer und Heftigkeit der Attacken mildern.

www.hilfe-bei-migraene.de